EZ 3.8.2007: Verbot ist für manche Schall und Rauch


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Ein Kneipenbummel zeigt:

Längst nicht in allen Lokalen gehen die Raucher vor die Tür

Die Zigarette zum Bier ist seit Mittwoch tabu - zumindest in Lokalen, die kein abgetrenntes Raucherzimmer haben. Noch wird das neue Rauchverbot aber nicht in allen Gaststätten befolgt. Bei einem Rundgang durch Esslingen trafen wir Raucher mit brennenden Zigaretten nicht nur vor, sondern auch in den Kneipen.

Von Kornelius Fritz

Das „Gleis 1“ in der Esslinger Bahnhofstraße gehört nicht unbedingt zu den Kneipen, die Laufkundschaft anziehen. Aus den Boxen schallen Rock-Klassiker aus den 70ern, der Fernseher zeigt Autorennen ohne Ton und die fast ausschließlich männlichen Gäste trinken Bier aus Flaschen. Und fast alle rauchen. Das tun sie auch am Mittwochabend: Obwohl die Tür offen steht, ist die Luft kurz vor Mitternacht zum Schneiden. Das Rauchverbot ignorieren die Gäste geflissentlich: „Ich hatte die Aschenbecher weggeräumt, aber nachdem alle auf den Boden geascht haben, habe ich sie wieder aufgestellt“, sagt Barmann Jörg mit den schulterlangen Locken und dem ärmellosen Shirt. Zum Rauchen vor die Tür gehen - das können sich hier die wenigsten vorstellen: „Dann kann ich gleich eine Flasche Bier im Supermarkt kaufen und mich in den Garten setzen“, sagt Arpad Lapatos, der an der Theke sitzt. Wie er bei seiner Kundschaft das Rauchverbot durchsetzen soll, ist Jörg ein Rätsel: „Morgen kommen die Aschenbecher wieder weg, mal schauen, was passiert.“

Aschenbecher bleiben stehen

Im „Karmeliter“ bleiben die Aschenbecher auf den Tischen - zumindest vorerst. Wirt Rüdiger Bartel hat seine Ankündigung wahr gemacht und das gesetzliche Verbot in seinem Lokal außer Kraft gesetzt: „Wir wollen uns nicht zwingen lassen, unseren Gästen das Rauchen zu verbieten“, steht auf einem Schild am Eingang. Lothar Milde und Sabine Welsch, die an der Bar Platz genommen haben, finden das prima. „Die Gastronomen sollen selber entscheiden“, findet Milde, der starker Raucher ist. Seine Begleiterin raucht nicht, lehnt das Gesetz aber dennoch ab: „Ich fände es nicht mehr so gemütlich, wenn hier nicht geraucht würde“, sagt Sabine Welsch. Dass der Karmeliter auf Dauer ein Refugium für Raucher bleibt, glauben die beiden Kneipengänger allerdings nicht: „Wie ich Deutschland kenne, wird der Wirt damit nicht durchkommen“, sagt Milde.

In Siggis Weinstub sitzt Claus Meier rauchend an der Bar. Dass er soeben eine Ordnungswidrigkeit begeht, die 40 Euro kosten kann, ist ihm gar nicht bewusst. Meier kommt aus Sachsen und ist zu Besuch in Esslingen: „Von einem Rauchverbot weiß ich nichts.“ Bedienung Claudia Kaiser lässt ihn gewähren, „auf eigene Verantwortung“, wie sie sagt. Künftig soll es in der Kneipe in der Heugasse ein separates Raucherzimmer geben, „aber in fünf Tagen kann man kein Lokal umbauen“, sagt Kaiser. Erst in der vergangenen Woche hatte der Landtag das Rauchverbot endgültig beschlossen.

Stammtisch vor dem Lokal

„Habt Ihr jetzt eine Terrasse?“, wundert sich Mladen Collbaba, als er am Mittwoch in seine Stammkneipe „Windmühle“ in der Obertorstraße kommt. Wirt Claudio Bertagnolli, Bedienung Brigitte Bechler und eine Handvoll Gäste stehen nicht wie sonst am Tresen, sondern haben sich um einen kleinen Stehtisch vor dem Lokal versammelt. Drinnen sitzt niemand. „Meine Gäste sind zu 90 Prozent Raucher“, sagt der Wirt und er habe keine Möglichkeit, einen Nebenraum abzutrennen. So hat sich das Geschehen auf die Straße verlagert. Doch das ist keine Dauerlösung. Zum einen fürchtet der Wirt Beschwerden von den Anwohnern, zum anderen ist der Sommer irgendwann zu Ende. Dann wird sich zeigen, ob den Gästen ihr Bier auch ohne Zigarette schmeckt. Stammgast Uli hat jedenfalls wenig Lust, im Winter für jede Kippe in die Kälte zu gehen: „Dann trinke ich mein Bier lieber zu Hause“, sagt er.

Beim Café Emil steht nur einer rauchend vor der Tür: Wirt Nicola Laqua. Obwohl er selbst davon betroffen ist, begrüßt er das Rauchverbot, das bei ihm seit 1. August im gesamten Lokal gilt: „Die Luft ist jetzt viel angenehmer“, sagt er. Dass er dauerhaft Gäste verliert, glaubt Laqua nicht: „Vielleicht werden ein paar Leute beleidigt sein, aber irgendwann kommen sie wieder.“

Quelle: Eßlinger Zeitung 3.8.2007