EZ 2.8.2007: Rauchverbot sorgt für reine Luft in Lokalen


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In Gaststätten ohne separaten Nebenraum ist blauer Dunst tabu

Gesetz wird von Gastronomen beachtet

Raucher müssen sich warm anziehen - zumindest im Winter, wenn sie in einer Diskothek nicht auf den blauen Dunst verzichten wollen. Das gestern in Kraft getretene Nichtraucherschutzgesetz erlaubt Zigaretten nur noch in Lokalen mit abgetrenntem Raum für Raucher. Doch noch haben sich einige Gäste in manchen Lokalen nicht an das Verbot gewöhnt.

Von Yvonne Weirauch

„Ich bin dafür, dass die Wirte entscheiden sollten, ob sie ein Nichtraucher- oder Raucherlokal betreiben wollen“, sagt Marktstüble-Stammgast und bekennender Raucher Ulrich Böhringer. Im Marktstüble herrscht Rauchverbot, die Raucher müssen vor die Tür und draußen qualmen. „Das ist schlecht fürs Geschäft. Ich rechne damit, dass einige Gäste weg bleiben“, sagt der Betreiber des Lokals.

Einen großen Raum für Raucher bietet dagegen das „Cannstatter Tor“ seinen Gästen. Hier können Nichtraucher und Raucher ihr Essen mit genügend Abstand genießen. Hinweisschilder seien zwar noch keine aufgestellt, aber die seien in Arbeit und die Gäste hätten es schon mitbekommen, wo geraucht werden darf und wo nicht, so eine Bedienung der Gaststätte. Nazario Gamba von der Eisdiele Gamba am Erbsenbrunnen findet es gut, dass endlich gesetzliche Klarheit herrscht, obwohl in seinem EisCafé nur ein Gast sitzt. Im Innenraum kleben Rauchverbotsschilder auf den Tischen. Aber der Außenbereich ist mit Gästen gefüllt. „In anderen Ländern klappt das mit dem Gesetz auch, also wird das hier auch funktionieren“, sagt Gamba.

In der Weinstube Zaiß sowie im Café Chicco wird vor der Tür gequalmt, denn für einen Nebenraum ist kein Platz. „Solange die Sonne scheint, geht das ja“, sagt Manuela Piramovsky vom Chicco. Innen habe sie die Aschenbecher von den Tischen genommen. „Da brauchen wir kein Schild. Das ist auch so offensichtlich, dass hier nicht geraucht werden darf.“ Kritisch sieht der Inhaber des Café s am Rathaus das Rauchverbot: „Sehen Sie, keiner sitzt drinnen, alle sitzen draußen und das nicht nur, weil die Sonne scheint, sondern weil viele rauchen wollen.“ Wie sich „das Ganze“ entwickelt, müsse man abwarten.

Bei vielen Gastronomen ist eine Unsicherheit bezüglich des Gesetzes spürbar. „Vielleicht ist es in einem Jahr normal, dass überall Rauchverbot herrscht, vielleicht aber auch nicht“, so Nazario Gamba. Fest steht, dass der Griff zum Glimmstängel in allen Behörden, Dienststellen und sonstigen Einrichtungen des Landes und der Kommunen wie Hochschulen, Museen, Bibliotheken oder Theater, in Kindergärten, Jugendhäusern, Krankenhäusern und Diskotheken verboten ist. Der Stuttgarter Flughafen verbannt die Raucher von den Terminals. Rauchen ist am Bahnhof nur in den ausgewiesenen Zonen erlaubt. Absolutes Rauchverbot herrscht an Schulen und in Diskotheken. Nicht mal Nebenräume für Raucher sind dort erlaubt. Alexander Scholz vom Stuttgarter Club Prag macht seine Disko erst morgen auf. „Ich habe einen Außenbereich“, sagt Scholz. Er werde deshalb keine großen Probleme haben. Er könne sich allerdings vorstellen, dass es bei Diskotheken ohne Außenbereich zu Lärmbeschwerden kommt, wenn dann vor der Tür geraucht wird. „Genau geklärt ist das alles noch nicht. Ich werde mich in der kommenden Zeit mit anderen Gastronomen unterhalten, wie das bei denen abläuft“, so Scholz. Sollte in seiner Disko geraucht werden, will Scholz nicht gleich mit Rauswurf drohen, aber freundlich darauf hinweisen, dass das Rauchen verboten ist.

Quelle: Eßlinger Zeitung 2.8.2007