EZ 27.7.2007: Dicke Luft bei den Gastronomen


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Deutscher Hotel- und Gaststättenverband mit Gesetz unzufrieden

Ordnungsamt will vereinzelt kontrollieren

Jetzt ist es amtlich: Das Rauchen in Behörden, Dienststellen, Tageseinrichtungen für Kinder, in Schulen, Jugendhäusern, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sowie in Gaststätten ist ab 1. August verboten. Dies sorgt vor allem bei den Wirten für dicke Luft, denn nicht jedes Lokal kann ein abgetrenntes Raucherzimmer anbieten. Fest steht: In Festzelten wie beispielsweise auf dem Cannstatter Volksfest darf geraucht werden.

Von Yvonne Weirauch

Ab kommendem Mittwoch ist das Rauchen in allen Kneipen in Baden-Württemberg verboten. Lediglich in abgetrennten Nebenräumen darf noch legal gequalmt werden. Sehr viele Anrufe und Briefe von besorgten Gastronomen sind beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Baden-Württemberg eingegangen. „Wir sind mit dem Beschluss nicht zufrieden, aber diese Entscheidung war zu erwarten“, sagt Dehoga-Sprecher Daniel Ohl. Der Verband erwägt rechtliche Schritte gegen das Gesetz. „Unser Verband wird prüfen, ob es sinnvoll und Erfolg versprechend ist, gegen das geplante Rauchverbot mit rechtlichen Mitteln vorzugehen“, so Ohl. Die Argumentation: „Der Staat behandelt die Gastronomiebetriebe wie öffentliche Gebäude. Dem ist aber nicht so.“ Der Gast entscheide frei, ob er einen Betrieb aufsucht oder nicht. Wenn die Landesregierung schon glaube, den Nichtraucherschutz in der Gastronomie gesetzlich regeln zu müssen, dann plädiere Dehoga statt eines generellen Verbotes für eine Kennzeichnungspflicht, durch die Gäste schon am Eingang darauf hingewiesen werden, ob sie ein Raucher- oder Nichtraucherlokal aufsuchen. Ein Verbot hätte nach Ansicht des Gastronomieexperten massive Wettbewerbsverzerrungen zur Folge. Vor allem kleine Betriebe ohne Nebenräume und auch die Discotheken im Land müssten mit erheblichen Problemen rechnen.Als Hauptleidtragende sieht Ohl die Discotheken. Sein Verband halte daher die Ungleichbehandlung von Discos für inakzeptabel und für rechtlich äußerst fragwürdig. Anders als etwa Bayern und Hessen wolle Baden-Württemberg keine Raucher-Nebenräume in Discotheken zulassen. Ohl fürchtet einen „Discotheken-Tourismus“ in benachbarte Bundesländer. Michael Presinger vom Perkins Park stimmt dem Nichtraucherschutzgesetz grundsätzlich zu, sieht die Diskotheken allerdings ebenso benachteiligt wie Daniel Ohl.Viele Wirte, die bisher keinen Nebenraum haben, stellen sich auf Umbaumaßnahmen ein. Nur in den meisten Fällen ist dies gar nicht möglich. „Wir haben nur ein kleines Lokal“, sagt Dino Andretti vom Cannstatter „Capretto - Das Zickle“. Es gebe keine Möglichkeit, einen Nebenraum einzurichten. „Deshalb ist bei uns Rauchen verboten.“ Allerdings werden weniger Gäste kommen, vermutet der italienische Gastronom. Generelles Rauchverbot wird auch in der Weinstube Zaiß herrschen. Denn hier hat das Nebenzimmer keinen ausreichenden Abzug, ist ein Umbau nicht möglich. Im „Cannstatter Tor“ habe die Erfahrung gezeigt, dass ins Lokal mehr Raucher kommen. Im Moment ist der Hauptraum in der Gaststätte der Raucherraum. Wenn das Gesetz in Kraft tritt, will Gastronom Alexander Lang überlegen, den größeren Raum zum Nichtraucherzimmer und den kleineren Raum für Raucher umzufunktionieren.

„Keine Hexenjagd“

Ob das Gesetz in den Gaststätten befolgt wird, will das Amt für öffentliche Ordnung vereinzelt kontrollieren. „Wir wollen keine Hexenjagd veranstalten, denn das wäre überzogen“, sagt Regina Berndt vom Amt für öffentliche Ordnung. Aber die Kollegen werden hin und wieder Kontrollgänge machen und auch die Mitarbeiter der Lebensmittelüberwachung werden ein besonderes Auge auf die Gaststätten haben.

Aysen Ener vom Restaurant und Kunst-Caf é „Die Palette“ in der Brunnenstraße 19 hat Unterschriften unter dem Motto „Lasst die Wirte, Bedienungen und die Gäste entscheiden“ gesammelt. Rund 163 sind bislang zusammengekommen. „Eine Kneipe, in der geraucht werden darf, muss nicht vollgeraucht werden“, sagt Ener. Der Charme von Bad Cannstatt liege in seinen kleinen Kneipen, die eben nicht die Möglichkeit hätten, Raucherräume einzurichten. Sowohl ihre unterschreibenden Gäste als auch sie als Caf é -Besitzerin fordern, dass Baden-Württemberg ein Rauchverbot beschließt, bei dem die Gaststätten selbst entscheiden können, ob sie als Raucher- oder als Nichtraucherlokal ausgewiesen werden sollen.

Quelle: Eßlinger Zeitung 27.7.2007