EZ 20.3.2006: Quote für den Qualm


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KREIS ESSLINGEN: Restaurants verpflichten sich freiwillig zu rauchfreien Zonen - Keine Zahlen über beteiligte Betriebe im Kreis

Woanders ist man weiter: In Italien, Irland und Norwegen etwa herrscht totales Rauchverbot in Restaurants, Verstöße werden teils mit saftigen Geldstrafen geahndet. In Deutschland mahlen die Mühlen langsamer. Um ein Nichtrauchergesetz zu verhindern, hat der Gaststättenverband sich selbst verpflichtet, stufenweise mehr Restaurantplätze vom blauen Dunst freizuhalten. Wie viele Lokale im Kreis Esslingen rauchfrei sind, vermag der Dehoga Baden-Württemberg aber nicht zu sagen.

Von Petra Pauli

Ganz freiwillig passiert die Beschränkung des Qualms in Gaststätten freilich nicht. Werden die mit dem Bundesgesundheitsministerium vereinbarten Ziele nicht erreicht, droht ein Gesetz. Am 1. März war Zeit für eine erste Bilanz: Bis dahin mussten 30 Prozent der Plätze in 30 Prozent der Speisegaststätten rauchfrei sein, und nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) wurde das auch erreicht. Allerdings zweifelt die Nichtraucher-Initiative Deutschland dieses Ergebnis an.

Wie viele Lokale sich im Kreis Esslingen an der Zielvereinbarung beteiligen und den Zigarettenrauch zumindest teilweise verdammen, wird beim Dehoga Baden-Württemberg nicht erfasst. Zwar gibt es auf der Verbands-Homepage eine Liste, auf der sich Gaststätten mit Nichtraucherzonen eintragen können. "Doch das ist völlig unsystematisch und sicher auch nicht vollständig", räumt Verbandssprecher Daniel Ohl ein. Für den Kreis Esslingen waren zuletzt gerade mal zwei Lokale aufgeführt. Eine genaue Bestandsaufnahme sei kaum möglich, zu häufig gebe es in der Gastronomie einen Wechsel oder Schließungen und darüber hinaus seien auch nicht alle Betriebe Dehoga-Mitglieder, so Ohl. Er geht davon aus, dass auch im Kreis Esslingen annähernd die 30-Prozent-Grenze erreicht werde.

Die kleinen Gaststätten mit weniger als 40 Plätzen, Bistros oder Kneipen fallen jedoch nicht unter die freiwillige Selbstbeschränkung. Die Lokale, die weniger über ihr Speisenangebot, sondern vor allem über Getränkeausschank ihr Geld verdienen, sind auch mit ein Grund, weshalb dem Verband vor einem gesetzlichen Verbot graut. Denn sie müssten durch ein striktes Rauchverbot mit massiven Umsatzeinbußen rechnen, ist Verbandssprecher Ohl überzeugt. Er setzt auf flexible Lösungen, zumal auch die Gastwirte die Zeichen der Zeit erkannt hätten. "Nichtrauchen liegt im Trend, und jeder Wirt möchte, dass seine Gäste sich wohlfühlen", so Ohl. Ablesen lasse sich das nicht nur daran, dass es immer mehr Nichtraucherzonen gebe, sondern auch an den hohen Summen, die Gastronomen in Be- und Entlüftung und in Filter investierten.

Die Nichtraucher-Bereiche nach und nach erweitert hat beispielsweise das Hotel am Brunnen in Ostfildern, das sich auch auf der Dehoga-Homepage findet. Der Frühstücksraum und einige Zimmer waren schon lange für Glimmstängel tabu, seit rund eineinhalb Jahren ist auch der Speisesaal rauchfrei. "Das wird sehr positiv aufgenommen, übrigens auch bei den meisten Rauchern", sagt Mitarbeiterin Ursula Haasis. Die Abstinenz wird ihnen durch kostenlosen Kaffee schmackhaft gemacht, der in den Raucherzonen an der Bar ausgeschenkt wird. Ohl weiß aber, dass die Einführung eines Rauchverbots, für das es keinen gesetzlichen Zwang gibt, nicht immer einfach durchzusetzen sei, viele Wirte scheuten Diskussionen mit den rauchenden Gästen.

Hürde ist nächstes Jahr noch höher

"Kunden lassen sich nicht einfach diktieren", sagt auch Inge Kübler vom Hotel-Restaurant Fuchsen in Kirchheim. In ihrem Betrieb kann man auf Wunsch zwar einen Tisch im Nichtraucher-Bereich bekommen, ein generelles Rauchverbot wurde aber nicht eingeführt. "Das müsste dann schon der Gesetzgeber vorgeben", findet die Gastronomin, die einen rauchfreien Arbeitsplatz begrüßen würde. Als Verbandssprecher ist Daniel Ohl gegen ordnungspolitische Maßnahmen. "Wir brauchen nicht den Holzhammer des Verbots, wenn man das Problem auf andere Weise regeln kann." Zumal solche Eingriffe immer die Frage aufwerfen würden, was als nächstes verboten wird. "Alkohol und fettes Essen sind auch ungesund", spitzt Ohl es zu, außerdem seien Gaststätten anders als Behörden Orte, die freiwillig aufgesucht würden. "Selbstverständlich freuen wir uns aber über jede neue Nichtraucher-Gaststätte." Deren Zahl muss auch noch wachsen, am 1. März des nächsten Jahres ist vorgesehen, dass 60 Prozent aller Speisebetriebe mindestens 40 Prozent des Platzangebotes für Nichtraucher bereit halten.

Quelle: Eßlinger Zeitung, 20.3.2006