EZ 28.10.2005: Jetzt raucht nur noch der Schädel


Sie sind hier: EsslingenRauchfreies EsslingenEZ 28.10.2005: Jetzt raucht nur noch der Schädel


ES-ZELL: Im Beruflichen Schulzentrum wird seit Beginn dieses Schuljahrs fast nirgendwo mehr gepafft

(red) Ja, ich habe schon im Fernsehen davon gehört, dass die rauchfreie Schule im Kommen ist. Ich wusste noch nichts von der neuen Regelung, entschuldigen Sie bitte. So einige typische Antworten von Schülerinnen und Schülern im Beruflichen Schulzentrum in Zell, als sie an den ersten Tagen des neuen Schuljahrs auf das neue Rauchverbot auf dem Schulgelände angesprochen wurden.

Fast alle Schülerinnen und Schüler dort sind über 16 Jahre alt, ein großer Teil von ihnen greift regelmäßig zur Zigarette. Trotz dieser Bedenken hatte sich das Kollegium der Friedrich-Ebert-Schule (FES) und der Käthe-Kollwitz-Schule mit großer Mehrheit dafür entschieden, das Rauchen auf dem gesamten Schulgelände mit Beginn des neuen Schuljahres nicht mehr zuzulassen.

Uneinigkeit bestand anfangs allerdings darüber, das Rauchen an zwei Stellen des Schulgeländes auch weiterhin zu tolerieren. Diese nach dem Vorbild der sogenannten Smoking-points in Bahnhöfen eingerichteten Bereiche sind jedoch ausreichend weit von den Gebäuden entfernt, sodass auch kein Rauch in die Räume ziehen kann. Und sie sind ein Zugeständnis an die ganz Süchtigen, die sonst womöglich vor den Türen umliegender Geschäfte rauchen würden.

Mit der Absicht, um Verständnis für die neue Regelung zu werben, sind seit Schuljahresbeginn an jedem Unterrichtstag etwa 15 bis 20 Lehrerinnen und Lehrer der Friedrich-Ebert-Schule in den Pausen auf dem weitläufigen Schulareal unterwegs. Sie haben sich bereit erklärt, die jungen Raucherinnen und Raucher über die Veränderungen zu informieren, sie aber auch auf Hilfen beim Aufhören hinzuweisen.

Der FES-Suchtpräventionslehrer wünscht sich, dass damit auch ein gutes Miteinander zwischen Schülern und Lehrern, zwischen Nichtrauchern und Rauchern in der Schule neu ins Blickfeld gelangt: Es gehe um Werben um Verständnis statt um Androhen von Strafen, um Begegnungen und Gespräche auf Augenhöhe statt um Platzverweise.

Die Reaktionen der allermeisten Schülerinnen und Schüler bestätigen dieses Konzept: Vom ersten Tag an hielten sie sich an die neuen Regeln. So sind nicht nur der Schulleiter der FES, Waldemar Futter, und sein Stellvertreter Eberhard Gegier sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf.

Tipps beim Entzug

Dass die beiden Smoking-points wegen der großen Schülerzahl noch etwas vergrößert werden mussten, hat man dabei gern in Kauf genommen. Als kontraproduktiv werden allerdings die beiden Zigarettenautomaten empfunden, die auf dem Weg von der S-Bahn zur Schule stehen. Eine Plakataktion rundet die Neuerungen ab. Sie will mit provozierenden Aussagen zum Nachdenken anregen. Zudem liegen verschiedene Infomaterialien mit Tipps zum Abgewöhnen bereit.

Quelle: Eßlinger Zeitung, 28. Oktober 2005


Weblinks