EZ 4/5. Juni 2005: "Wirte trauen sich nicht, Aschenbecher vom Tisch zu nehmen"


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(nin) - Immer noch erreichen uns Zuschriften zu unserer Leseraktion zum Welt-Nichtrauchertag am 31. Mai. Hier weitere zwei Zuschriften, mit der wir die Aktion beschließen. Alle Angaben ohne Gewähr. EZ-Leser Knut Lickert hat in riesiger Fleißarbeit eine Liste mit Tipps angelegt, die unter http://esslingen.lickert.net/rauchfrei/index.html eingesehen werden kann.

Raucher reagieren unverschämt

Ich gehe schon seit Jahren nicht mehr aus und meide deutsche Gaststätten und Restaurants. Wer möchte schon sein Essen in verpesteter, krebsverseuchter Luft einnehmen? Ich nicht. Ich esse, wie Millionen deutsche Nichtraucher lieber zuhause. Mir ist dieser Wahnsinn unverständlich. Für eine Minderheit aggressiver und übel riechender Raucher tun deutsche Gaststätten alles, und die Mehrheit der Deutschen (75 Prozent aller Deutschen inklusive Kinder sind Nichtraucher!) wird von Gaststättenbesitzern ignoriert. Haben die Geld zu verschenken? Es wäre schön, wenn man endlich die alten Zöpfe abschneiden würde. Rauchen ist weder cool noch elegant. Rauchen stinkt, es riecht übel und es tötet. Zudem sind Raucher militant und aggressiv, spricht man sie höflich darauf an, Rücksicht zu nehmen, reagieren sie meist sehr unverschämt und rauchen weiter. Deutschland ist leider in Fragen wieder mal Schlusslicht der EU. Wann wird die untätige Bundesregierung den Beispielen von Italien, Schweden, Irland , New York und vielen anderen Staaten folgen, in denen Rauchen verboten ist? Dann könnten Millionen Menschen in Deutschland aufatmen - Essen in normaler Luft! Die Gaststätten hätten höhere Umsätze, da Millionen Menschen in die Gaststätten gingen, die heute zuhause bleiben. Ich jedenfalls werde erst dann wieder in eine Kneipe gehen oder ins Restaurant, wenn ich das tun kann, ohne von Rauchern belästigt zu werden. Übrigens stirbt jeden Tag in Deutschland ein Mensch, der nicht rauchen wollte, aber von Rauchern gezwungen wurde. Wer raucht, tötet Unschuldige und betreibt Kindesmisshandlung. Ein Skandal, dass Raucher noch immer das Sagen haben in den Gaststätten. Hoffentlich wird bald Schluss damit sein, wir leben schließlich nicht mehr im Mittelalter.

Peter Thelen

Heimliche Gelder?

Erst einmal Glückwunsch zu der Nichtraucher-Aktion. Ernst Fischer, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, macht seit Jahren seinen Wirten Angst vor Rauchfreiheit, selbst Nichtraucherbereiche werden verhindert. Vor zwei Jahren hat Fischer mitgeteilt, es gebe "bereits 40 Prozent rauchfreie Lokale". Was das mit der Realität zu tun hat, weiß jeder selber. Es ist erwiesen, dass der Hotel und Gaststättenverband Verbindungen zur Tabakindustrie hat, und von diesem wohl auch heimlich Gelder bekommt. Dies ist auch in anderen Ländern der Fall, wo Restaurantverbände entgegen der Wirts- und Mitarbeiterinteressen (wie kann ein Mitarbeiter guten Service bieten und produktiv sein, wenn er im Rauch arbeiten muss?), herausposaunen, rauchfreie Kneipen wären der Tod. Das hat sich den Wirten eingeprägt, deshalb trauen sich diese nicht, auch nur einen Aschenbecher vom Tisch zu nehmen. Es gibt Studien, dass die Tabakindustrie mit den Restaurantverbänden zusammen arbeitet und Lüftungssysteme promotet. Die Verbände bekommen dafür Geld, aber jeder einzelne Wirt muss in teure Lüftungsanlagen investieren, die bei einem Rauchverbot hinfällig wären. Solange mich die Gastronomie weiter so massiv diskriminiert, beschränke ich mich auf die wenigen rauchfreien Lokale. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Kneipen schließen müssen, schließlich bieten sie nur Rauch, und vom dem kann kein Wirt leben.

Sebastian, 25 , Potsdam

Quelle: Eßlinger Zeitung 4/5. Juni 2005