EZ, 2. Juni 2005: Etliche Nichtraucher essen lieber zuhause


Sie sind hier: EsslingenRauchfreies EsslingenEZ Leseraktion Welt-Nichtrauchertag 2005Etliche Nichtraucher essen lieber zuhause



"Die meisten Raucher sind leider nicht rücksichtsvoll"

Kreis Esslingen: Etliche Nichtraucher essen lieber zuhause - "Toleranz" bedeutet, die Raucher zu tolerieren

Hier der zweite Teil der Leserzuschriften. Alle Tipps zu Lokalen sind ohne Gewähr.

Rauchen eine Form der Aggression

Das Hotel-Restaurant Cado, Olgastraße 82, Deizisau, 0 71 53/21 16 9, hat einen großen, vom allgemeinen Restaurant abgetrennten, rauchfreien Gastraum für Nichtraucher. Meine Gedanken und Forderungen: Maximierung der Zahl kompletter Nichtraucherlokale. Bis dahin immer mehr und größere rauchdichte Nichtraucherzonen und -räume in allen Gaststätten, zumal Nichtraucher in der Mehrheit sind und weiterhin zunehmen. Bis heute so gut wie kein Nichtraucherschutz. Zuerst gesetzlichen Nichtraucherschutz in der Gastronomie, dann für gesamten öffentlichen Raum einschließlich Gebäuden.

Meine Frau und ich besuchen sowieso keine meist verräucherten Kneipen. Wegen meist fehlenden Nichtraucherschutzes nur selten Besuch von Gaststätten. Suchtraucher sind weder rücksichtsvoll noch tolerant.

Rauchen ist eine Form der Aggression, sofern Nichtraucher passiv mitrauchen müssen (zudem stinkende Kleidung und Haare), in jedem Fall unzumutbare Belästigung bzw. Gesundheitsgefährdung oder -beeinträchtigung (Augen- und Schleimhautreizungen, Kopfschmerzen und ähnliches).

Günter Liebe
Esslingen

Naturfreundehaus trotzdem voll

Es ist kaum mehr nachvollziehbar, dass wir hier bei uns in Deutschland beim Schutz der Nichtraucher so hinterherhinken. Man fordert laufend "Toleranz", diese Forderung beschränkt sich jedoch darauf, die Raucher zu tolerieren, der Nichtraucher sitzt im Qualm, oder er kann eben zu Hause bleiben, wenn er nicht mitrauchen möchte. Schade eigentlich - der Gastronomie geht hier eine Klientel verloren.

Der Nichtraucher trifft sich mit Freunden, die auch nicht mitrauchen möchten, in privatem Kreise. Und freut sich auf die "Biergarten-Saison", denn hier kann man dem Qualm doch noch entgehen.

Nichtraucherzonen helfen sicher nicht weiter. Der Qualm lässt sich nicht durch rote Linien am Boden einschränken. Das Wenigste wären Nichtraucher-Räume oder, so wie in Italien, das generelle Rauchverbot.

Die meisten Raucher sind eben leider nicht rücksichtsvoll, Appelle an die Vernunft und Bitten, das Rauchen freiwillig einzuschränken, versinken im dicken Qualm.

Es ist schon faszinierend: Auf der einen Seite diskutiert man über Emissionswerte und Feinstaub in Ballungsgebieten, andererseits lässt man Nichtraucher im Qualm der Raucher sitzen. Ausweichmöglichkeiten gibt es für Nichtraucher fast keine. Mir fällt nur das Naturfreundehaus auf dem Bossler ein. Hier herrscht Rauchverbot - voll ist es trotzdem. Oder man bleibt eben zuhause, macht ab und zu Urlaub in Italien und gönnt sich eben dann dort einen schönen Abend in einem guten Restaurant ohne dicke Luft.

Dagmar Kube
Hochdorf

Konditorei Hoß ist rauchfrei

Ich habe Ihren Bericht "Nur zwei Nichtrauchercafés sind im Kreis bekannt" gelesen und kenne ein Nichtraucher-Café, das Café Bäckerei Konditorei Hoß, welches ein Familienbetrieb ist, denn ich wohne im selben Haus, in dem meine Familie (Eltern, zwei Großeltern) unsere Bäckerei und unser Café mit unseren Angestellten in der Backstube, Saba, Tobi und Thomas und unseren Angestellten im Laden, Susanne, Renate und Sanela betreiben. Bei uns, in der Moltkestraße 25 in Plochingen, darf nicht geraucht werden, wie meine Mutter unseren Kunden erklärt hat, weil sie von den Kunden unseres Vorgängers erfahren hat, dass die Backwaren sonst sehr nach Rauch schmecken würden, was wir natürlich nicht wollen. Sie hat sich durchgesetzt und so wird bei uns, trotz des Zigarettenautomats bei uns an der Hauswand, nicht geraucht.

Johanna Hoß, 12 Jahre
Plochingen

Raucherin genießt gute Luft

Seit kurzem gibt es in Ostfildern-Ruit eine weitere Möglichkeit im Esslinger Landkreis, ohne Nebelschwaden von Zigaretten und Zigarren exzellent zu speisen. Wohl erst seit kurzem können im Hirsch-Hotel Gehrung in Ostfildern die Gäste wählen zwischen einem raucherfreundlichen und einem Nichtraucher-Restaurant. Während in der urgemütlichen schwäbischen Stube alles beim alten geblieben ist, sind die Freunde des Nichtrauchens im gegenüberliegendem Restaurant Hirsch herzlich willkommen.

Immer mehr Gäste hätten sich in der Vergangenheit beim Essen durch den Tabakgenuss gestört gefühlt, deshalb habe die Geschäftsleitung sich entschlossen das Restaurant Hirsch als kompletten Nichtraucherbereich auszuweisen. Dezent wird vom Personal darauf verwiesen, dass im Bereich der Hotel-Bar das Rauchen selbstverständlich erlaubt ist. Ich als Raucherin kann damit leben - lässt sich doch ein gutes Essen in guter Luft besser genießen als in den Nebelschwaden des Tischnachbarn.

Agnes Wilhelm
Ostfildern

Köstliches Gericht beeinträchtigt

Ich beglückwünsche Sie zu dieser Aktion! Immer wieder erlebe ich, dass der Genuss eines köstlichen Gerichts dadurch beeinträchtigt wird, dass einige wenige im Restaurant rauchen und die Nichtrauchenden keine Möglichkeit haben, sich zu entziehen. Leider bieten bisher nur ganz wenige Restaurants Nichtraucher-Speiseräume an.

Was ich mir von den hiesigen Gastronomen wünsche? Wenigstens einen rauchfreien Raum, der deutlich gekennzeichnet ist. Zwei positive Beispiele: Gaststätte mit Nichtraucherraum: Restaurant Cado, Olgastr. 82, 73779 Deizisau, 071 53/21 169. Restaurant mit freundlichen Hinweisschildern auf den Tischen, doch mit Rücksicht auf die Nichtraucher auf das Rauchen im Speiseraum zu verzichten: Bad-Hotel, 73337 Bad Überkingen (Kreis Göppingen), 07331/302-0. Ein Hotel-Restaurant in Oberstdorf hat einen abgetrennten Nichtraucher-Speiseraum, in dem auch das Salatbüffet für das ganze Restaurant aufgebaut ist. In diesem Raum sind normalerweise fast alle Plätze belegt, während der Raucherbereich deutlich weniger ausgelastet ist. (Hotel Birgsauer Hof, Birgsau 9, 87561 Oberstdorf, 0 83 22/96 900).

Hermann Jetter
Aichwald

Unerträgliche Situation

Es ist unvorstellbar, dass es in Deutschland, anders als im Ausland, immer noch möglich ist, dass Besucher von Gaststätten, Bars, Cafés und Diskotheken ungestraft dem krebserregenden Passivrauch ausgesetzt werden dürfen, wo ansonsten bei kleinsten gesundheitlichen Beeinträchtigungen die Politik Aktionismus zeigt. Mit der neuen Regelung zwischen Dehoga und dem Gesundheitsministerium, freiwillig Nichtraucherzonen in den nächsten Jahren zu schaffen, wird die unerträgliche Situation nicht entschärft, sondern der Status Quo praktisch zementiert. Was wir brauchen, ist eine klare und eindeutige Regelung wie in Italien, Norwegen oder Irland. Die deutschlandweite Organisation Pro Rauchfrei (www.pro-rauchfrei.de) fordert seit langem im Namen von zwei Dritteln der Gäste sowie vieler Angestellter, das Rauchen in allen öffentlich zugänglichen Betrieben zu untersagen.

Die Behauptung des Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband), es verfügten schon 39 Prozent der Restaurantbesitzer und -betreiber über einen separaten Gastraum für Nichtraucher, und 41 Prozent der Barbetreiber, ist falsch. Bei einer Befragung bei 4000 Gaststätten 2004, an der Pro Rauchfrei beteiligt war, sind gerade mal 7 Prozent raucharm oder rauchfrei. Ich denke, diese Zahlen zeigen die wirkliche Situation in der deutschen Gastronomie, die jeder Nichtraucher kennt. Ich persönlich hinterlasse mein Geld nur noch in rauchfreien Gaststätten, so wie ich denken inzwischen viele Nichtraucher, früher war das einmal anders.

Pro Rauchfrei
Wolf Hempel
55278 Hahnheim

Gehe seit 20 Jahren nicht essen

Hallo, ich bin aus Wuppertal, aber da die Zustände sich hier in nichts von denen in Esslingen unterscheiden dürften, kann ich Ihnen auch eine Antwort geben.

Ich gehe seit sage und schreibe 20 Jahren gar nicht mehr essen. Hier gibt es exakt zwei Lokale mit Nichtraucherschutz: McDonald's und Nordsee. Die Gastronomen hier verzichten seit 20 Jahren freiwillig auf die kompletten Einnahmen aus meiner potenziellen Kundschaft.

Stephan Will
Wuppertal

Warum geschieht nichts?

Rauchfreie Kneipe: Raucher am Nebentisch können einem den Appetit am guten Essen so richtig verderben. Viele halten rauchfreie Lokale für unzumutbar, leider nur für die Leute, die die Luft verpesten.

Warum geschieht in Deutschland in dieser Richtung nichts? Vielleicht, weil zu viele Leute in entscheidenden Positionen selber Raucher sind?

Ellen Großmann
Reichenbach

Esse lieber zuhause rauchfrei

Wer meine Freiheit so massiv beschneidet wie die Gastronomie, mir einen Besuch nur unter massivem Unwohlsein, Krebsgefahr und Augentränen ermöglicht, und es nicht einmal möglich macht, einen Kaffee (!) trinken und schmecken zu können, sieht keinen einzigen Pfennig von mir.

Nichtraucher- und Raucherbereiche sind schwachsinnig. Erstens schützen sie die, die rauchen wollen nicht, und zweitens ist es idiotisch, Gästegruppen zu unterteilen. Da esse ich mit Freunden doch lieber zu Hause rauchfrei zusammen, als in einer Gaststätte getrennt sitzen zu müssen. Zu Hause gehen nämlich sogar Raucher gerne für eine Zigarette vor die Tür. Wer mich als Gastronom in dunkle hintere Ecken schicken will, mich vor Toiletten setzt, nur weil ich nicht rauche, verliert mich sofort als Kunden. Während Raucher jederzeit bei einem Rauchverbot die Freiheit haben, für eine Zigarette nach draußen zu gehen, haben Nichtraucher und Angestellte nicht die Freiheit, das Atmen einzustellen.

Krebserregende, toxische Schadstoffemissionen gehören in keine Kneipe, keine Bar und kein Restaurant. Wer rauchen will, kann das draußen tun. In Norwegen, das seit Juni 2004 ein Rauchverbot hat, sank die Zahl der Gastro-Pleiten um 3,4 Prozent! Während es in Oslo genauso viele Pubs wie vor dem Rauchverbot gab, erhöhte sich die Zahl der Restaurants sogar. Auch irische Pubs sind weiter proppevoll, eine Vielzahl macht sogar zusätzliches Geschäft am Mittag, weil Menschen dort essen, trinken und genießen können, was in der deutschen Gastronomie nicht möglich ist. Es wird Zeit, dass die massive Diskriminierung von Menschen aufhört, die nicht rauchen wollen. Des weiteren müssen Angestellte geschützt werden, und Deutschland braucht dringend ein Rauchverbot in der gesamten Gastronomie. Gute Nacht deutsche Gastronomie!

Sebastian
Potsdam

Sonntags wird nicht gequalmt

Mit großem Interesse haben wir Ihren Artikel gelesen. Wir möchten uns als eines der Hotel-Restaurants vorstellen, in denen es einen Nichtraucherbereich gibt. Seit vielen Jahren verfügen wir in unserem Hotel über 13 Nichtraucherzimmer. In den nächsten Monaten werden wir (nach einer Renovierung ) unseren Gästen noch weitere 14 Nichtraucherzimmer anbieten können. In unserem Restaurant ist es seit Jahren gang und gäbe, an den Sonntagen sowie auf Anfrage auch unter der Woche in unseren verschiedenen Räumen nur Nichtraucher zu platzieren. Ab 1. Juni 2006 sind 30 Prozent unseres Restaurants ein reiner Nichtraucherbereich. So sind unsere Gäste sowohl im à la carte- Bereich, bei Seminaren und bei Veranstaltungen wie Hochzeiten und Geburtstagen vom Rauch geschützt.

Hotel Linde, Esslingen-Berkheim
Familie Otto, i.A. Francoise Tappert, Geschäftsführerin

Raucher nehmen keine Rücksicht

Ich finde die Aktion echt super. Es wird viel zu wenig für Nichtraucher getan. Das einzige Lokal, das ich kenne, mit einem Nichtraucherzimmer ist das Cado Hotel-Restaurant, Olgastraße 82, 73779 Deizisau. Ich finde es gut, wenn es so etwas gibt.

Nur eine Nichtraucherecke bringt nicht viel. Der Rauch zieht überall hin. Ich finde es einfach störend, beim Essen zugequalmt zu werden. Und die Raucher nehmen keine Rücksicht, ob man gerade isst oder nicht. Zudem kommt noch, dass mein Sohn Asthma hat und ich deswegen schon Lokale gemieden habe. Wir freuen uns auf den Sommer, wo man draußen in der Gartenwirtschaft essen kann. Ich finde , dass etwas geschehen muss. Raucher können auch rausgehen. Wir Nichtraucher müssen aber darunter leiden. Vielleicht kann man mit dieser Aktion etwas erreichen!

Sabine Wieland
Aichwald

Sollen doch zuhause bleiben

Ja, ich bin Raucherin. Bin ich deswegen ein Mensch zweiter Klasse? Nein. Ich toleriere es, wenn man in öffentlichen Räumen nicht rauchen darf und halte mich daran. Dennoch finde ich, es muss ausreichen, wenn es in Lokalen rauchfreie Zonen gibt. Nichtraucher sollten Rauchern gegenüber toleranter sein. Was oft nicht der Fall ist. Was würde denn passieren, wenn in allen Restaurants oder Gaststätten Rauchverbot wäre? Die Gastronomen würden erhebliche Umsatzeinbußen haben. Wie sieht es dann mit Gartenwirtschaften aus, darf da auch nicht geraucht werden, weil die Luft dort auch verschmutzt ist? Ganz abgesehen davon, wie viele Arbeitsplätze verloren gingen, wenn niemand mehr raucht. Ein ganzer Industriezweig wäre kaputt. Natürlich ist Rauchen nicht gesund, aber Alkohol und Fettsucht auch nicht. Man könnte auch fordern, dass im Fitnessstudio nur schlanke Menschen sein dürfen, weil die dicken nicht so schön anzusehen sind. Oder man könnte dort Zonen für Dicke und Dünne einrichten. Vielleicht wird ja das eine oder andere Restaurant für Nichtraucher gemacht, aber mit Sicherheit wird man dort keine Raucher finden, die dort zum Essen hingehen. Wer als Nichtraucher rauchfrei essen will, soll doch zuhause bleiben. Da gibt es keinen Stress mit den Rauchern. Ich rauche am Welt-Nichtrauchertag trotzdem.

Martina Höher
Esslingen

Qualm im Nichtraucherzimmer

Danke, dass Sie das Thema aufgreifen. Dazu meine Meinung und Erfahrungen: Wenn ich in eine Gaststätte gehe, dann zum Essen und das möchte ich genießen. Aber dann kommt alles anders, das ganze Restaurant riecht nach Rauch, auch mein Essen, Haare und Kleidung. Zusätzlich muss meine Lunge, ob ich will oder nicht, das Nikotin einatmen. Intolerante Gäste rauchen dabei sogar an meinem Tisch. Das finde ich eine Zumutung.

Nun muss man nicht unbedingt italienische oder USA-Verhältnisse bei uns einführen, aber alle Restaurants mit mehreren Gasträumen könnten Nichtraucherzimmer sofort verwirklichen. Von der Politik können wir nichts erwarten. Nach viel Geschrei um Gesundheitsgefährdung durch Rauchen wurde die Tabaksteuer erhöht und sollte weiter steigen. Seit aber das Steueraufkommen zurückgeht, ist das Loch im Bundeshaushalt viel wichtiger als die Gesundheit der Bürger.

Mir ist kein Restaurant bekannt, in dem Nichtraucherbereiche konsequent durchgeführt werden. Im Palmschen Bau in Esslingen ist das "Freiherr von Palm"-Zimmer als Nichtraucherzimmer deklariert und im Prospekt so beschrieben. In der Praxis ist es meist geschlossen oder von Gruppen belegt. Neulich war es sogar offen, aber ein Gast rauchte darin. Als ich die Bedienung darauf ansprach, wollte Sie mir auch einen Aschenbecher bringen!

Fazit: Das Zwangsverhältnis Raucher-Nichtraucher ist in den Restaurants sehr zu Ungunsten der Nichtraucher geregelt. So gibt es nur eine Alternative - entweder Nichtraucherbereiche oder nicht mehr hin gehen.

Hans Steinmann
Esslingen

Quelle: Eßlinger Zeitung 2. Juni 2005