Blumenstrauß von einer dankbaren Nichtraucherin


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WENDLINGEN/NÜRTINGEN: Café "Hefekränzle" wurde vor fünf Jahren als Notlösung qualmfrei - Café "Schümli" steuern viele Auswärtige ganz gezielt an

Von Regina Schultze

Aus der Not geboren wurde das rauchfreie Café "Hefekränzle" in Wendlingen: Als es vor fünf Jahren in Betrieb ging, war es die Auflage des Landratsamts, entweder eine teure Lüftung einzubauen oder aber das Rauchen in den niedrigen Räumen zu verbieten, erzählt Inhaberin Annemarie Ziller. Die einstige Raucherin war sofort von der Lösung ohne Tabak überzeugt. "Ich wollte sogar den Alkohol weg lassen." Sekt, Bier und Wein gibt's nun trotzdem bei ihr in der Fabrikstraße. Jugendliche und andere bekommen aber das Glas Sprudel zu 90 Cent und das Cola zu 1 Euro, damit der Alkohol teurer bleibt. Inzwischen kann sich die Wendlinger nicht mehr vorstellen, ein "normales" Café zu führen. "Kuchen nehmen den Rauch sofort an, wenn einer seine Zigarette anzündet", sagt Ziller. Die 44 Plätze innen sind gut besucht. Familien, Senioren, aber auch viele junge Leute nehmen ihr Angebot gerne an, Kuchen, Torten und selbst gemachtes Eis ohne blauen Dunst einzunehmen.

Stammtische von Müttern

"Ich habe auch Stammtische von Müttern, die seit der Schwangerschaft kommen", erzählt die Wendlingerin. "Ganz andere Gruppen" kämen zu ihr als in andere Lokale. Und es werden immer mehr, vor allem im vergangen halben Jahr hat die Gästezahl zugenommen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich jemand Kundschaft weggenommen habe", sagt sie. Ihre Klientel gehört wohl eher zu den Leuten, die erst gar nicht in verrauchte Gaststätten gegangen sind, sondern ihren Kaffee lieber in guter Luft zuhause genossen haben. Die Kundschaft dankt's ihr. "Kürzlich kam sogar eine Frau mit Blumen - fürs Nichtrauchen", erzählt die Café-Inhaberin über ein unerwartetes Geschenk.

Das zweite Nichtraucher-Café im Kreis Esslingen ist das "Schümli" in Nürtingen, das 1996 in Betrieb ging. Da durfte anfangs noch gequalmt werden, erzählt Inhaberin Elke Blaschczik. "Ich hatte auf die Vernunft der Raucher gesetzt", sagt die Nichtraucherin. Vergeblich. "Wir machen sehr hochwertige Waren, da ist es nicht vereinbar, wenn sie Rauch annehmen", erzählt sie über die Leckereien, die ihr Mann, Konditormeister Wolfgang Walz, zaubert. Es wurde halt doch ordentlich zu Glimmstängeln und -stangen gegriffen. Für sie und ihre Mitarbeiter wenig erfreulich. "Sehr rücksichtslos" seien sogar Zigarren angezündet worden. Da schritt sie dann ein und bat den Stumpen-Fan, den doch bitte auszumachen. "Das war sehr stressig, die Diskussionen haben viel Kraft gekostet", erinnert sich die 37-Jährige. Also beschloss das Ehepaar nach etwa einem halben Jahr, die 50 Plätze im historischen Gemäuer Am Schlossberg in rauchfreier Atmosphäre anzubieten.

"Die aller-allerbeste Entscheidung!"

Ihr Fazit: "Die aller-allerbeste Entscheidung! Wir hatten so einen positiven Zuspruch von nichtrauchenden Gästen, die sich nie getraut hatten, etwas zu sagen." Umsatzverluste habe sie mit Sicherheit nicht gehabt. Im Gegenteil: "Die Leute kommen ganz gezielt", weiß sie. Im Internet sei ihr Café über eine Nichraucher-Initiative abrufbar. "Da gibt's Leute, die planen einen Ausflug und suchen sich dann Nichtraucherlokale." Ab und zu verirrt sich auch ein Raucher in die hübschen Räume. Wenn die Fluppe an ist, eilen Mitarbeiter zu ihm mit einem Aschenbecher (die gibt's, weil an den 50 Plätzen draußen gequalmt werden darf). Meist geht es gesittet zu, wenn der Gast gebeten wird, die Kippe auszumachen oder nach draußen zu gehen. "Ab und zu hat einer aber doch einen dummen Spruch auf den Lippen", sagt Elke Blaschczik. Das mache ihr aber nichts aus. Die Café-Besitzerin kennt "viele Gastronomen, denen das Gequalme stinkt". Die möchte sie ermuntern: "Es ist so einfach, das umzusetzen, aber es fehlt vielen an Fantasie." Ein kleiner Nebenraum reiche, damit sich alle Gäste wohlfühlen. In der Schweiz hat sie lange in einem Lokal gearbeitet, das in einem Zimmer Baumstämme aufgestellt und mit Kuhfellen überzogen hat. Dort hieß es: "Rauch frei". Die Luft war zwar äußerst undurchsichtig, die Tabaquieros aber waren zufrieden.

Quelle: Eßlinger Zeitung, 31.5.2005