EZ 5.8.2003: Auch ohne Gesetz gibt es einige Zonen zum Durchatmen


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ESSLINGEN: Forderung nach mehr Nichtraucher-Schutz - Im Dick und im Krankenhaus ist Tabak tabu - Rauchfreie Zonen in Restaurants

Von Petra Pauli

Es sieht so auch, als ob in der Sommerzeit wieder ein Dauerbrenner hochgekocht wird: Politiker sagen Rauchern den Kampf an; öffentliche Gebäude wie Krankenhäuser oder Behörden und selbst Gaststätten sollen komplett rauchfrei werden. Aber auch ohne Gesetz gibt es bereits qualmfreie Rückzugsgebiete.

Seit Anfang des Jahres herrscht im Dick Rauchverbot. Brennende Glimmstängel sind nur noch in den Gastronomiebetrieben erlaubt. Durchgesetzt hat diese Maßnahme übrigens ein Raucher: Center-Manager Oliver Kranz haben die kalten Rauchschwaden, gegen die die Belüftungsanlage vor allem nach den veranstaltungsintensiven Wochenenden nahezu chancenlos war, irgendwann gestunken. "Das funktioniert und wird von den Besuchern überwiegend für gut befunden", sagt Kranz über das Verbot. Wer in den Gängen des Dick, im Kino-Foyer oder vor der Diskothek die Verbotsschilder übersieht und trotzdem raucht, der werde vom Sicherheitspersonal ermahnt. "Wenn man freundlich mit den Leuten redet, ist das in der Regel kein Problem", hat er die Erfahrung gemacht, nur wenige "Hardcore-Raucher" seien uneinsichtig. Eine Ausnahmeregelung gibt es für das Cafem Metropolitan, das auch in der Dick-Passage bestuhlt hat. An einigen Tischen darf noch gequalmt werden. Relativ gelassen sieht Rudolf Kübler, Vorsitzender der Kreisstelle des Hotel- und Gaststättenverbandes, der Ankündigung der Politiker entgegen, das Rauchen weiter einzudämmen. Der bayerische Gesundheitsminister Eberhard Sinner möchte am liebsten ein generelles Rauchverbot in Gaststätten durchsetzen (die EZ berichtete). "Mit diesem Thema soll wohl eher das Sommerloch aufgefüllt werden", so Kübler. Er setzt auf die Selbstbestimmung der Gäste. "Wir sind ja nicht dazu da, die Menschen zu erziehen", meint Kübler mit Blick auf die Raucher, die es einfach nicht sein lassen können. Zudem werde seiner Ansicht nach ohnehin immer mehr für Nichtraucher getan: Viele Hotels böten freiwillig Nichtraucherzimmer an, die sehr gefragt seinen, und auch viele Gaststätten hätten inzwischen extra Bereiche, in denen Tabak tabu sei. Ein solches Frischluft-Zimmer mit rund 25 Plätzen gibt es beispielsweise in der Gaststätte Palmscher Bau. Der extra Bereich sei sehr beliebt, oft würden Gäste bei der Reservierung ausdrücklich den Nichtraucher-Tisch verlangen, so Andrea Dischtzig, die für den Service zuständig ist. Eine Expansion der zigarettenfreien Zone sei aber kein Thema, zumal sich jetzt im Sommer Raucher und Nichtraucher sowieso nicht in die Quere kommen dürften: Einträchtig sitzen sie am liebsten draußen im Biergarten.

Im Café Mayer im Metzgerbach wird das Nichtraucher-Zimmer ab 20 Uhr geschlossen, weil abends die Nachfrage nicht da gewesen sei. Rauchen gehöre zum Ausgehen und einem gemütlichen Abend nun mal dazu, hat Florinda Smarandoiu, Mitarbeiterin in dem Café, die Erfahrung gemacht. "Und die meisten Nichtraucher sind sehr tolerant." Sollte das generelle Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden irgendwann tatsächlich Gesetz werden, müssten die Städtischen Kliniken nichts umstellen: Seit einigen Jahren gilt hier, von Balkon und dem sonstigen Außenbereich abgesehen, "no smoking" - zumindest offiziell. Ob nicht doch noch die ein oder andere Raucherecke heimlich weiterbesteht? Ausschließen will Krankenhaus-Sprecher Michael Schuler das nicht.

Überhaupt dürfte sich die Kontrolle des Verbots als schwierig erweisen. Das gilt auch für die Stadtverwaltung. "Wir sind ein offenes Rathaus. Eine Pforte oder eine Art Wachpersonal würde diesem Geist widersprechen", so der Esslinger Pressesprecher Roland Karpentier.

Auch im Landratsamt gibt es kein generelles Rauchverbot, wohl aber eine allgemeine Bitte. Hier appelliert man an die Nettigkeit der Kundschaft: mit Rücksicht auf die Nichtraucher, heißt es sinngemäß auf den Hinweisschildern, sollen die Besucher auf das Rauchen verzichten. Die Aschenbecher, wie sie in den Fluren des Neuen Rathauses aufgestellt sind, sollten zwar nicht als ausdrückliche Einladung für eine Raucherpause verstanden werden, so Karpentier, doch grundsätzlich dürfen Besucher hier ihre Nikotin-Sucht befriedigen. Vielleicht gesellt sich dann auch so mancher Mitarbeiter dazu. Denn in den Amtszimmer rauchen vielleicht Köpfe, aber keine Tabakwaren.

Quelle: Eßlinger Zeitung, vom 5.8.2003