EZ 4. August 2009: Skrupellose Investoren


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Wolfgang Schorlaus Krimi „Fremde Wasser“ als spannendes Hörspiel beim Kino auf der Burg

Von Gaby Weiß

Die Fans des Stuttgarter Kriminalschriftstellers Wolfgang Schorlau wissen es: Sein Privatermittler Georg Dengler und dessen Freundin Olga lösen auch die verzwicktesten Fälle. Und so wie die beiden Licht ins Dunkel bringen - so brachte am Sonntagnachmittag das Schorlau-Hörspiel „Fremde Wasser“ im Rahmenprogramm beim Kino auf der Burg nach kräftigen Regenschauern sogar noch die Sonne hervor und bescherte dem Publikum ein spannendes Krimi-Erlebnis.

Politthriller im Innenhof

Waren am Freitag und Samstag nachmittags die kleinen Hörbuchfans auf ihre Kosten gekommen, so waren am Sonntag die großen dran: In Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Provinzbuch, dem SWR und dem Verlag Kiepenheuer & Witsch hatte das Kommunale Kino bei freiem Eintritt zum Hörspiel-Politthriller „Fremde Wasser“ in den Innenhof der Esslinger Burg eingeladen. Zwar regnete es vor dem Start wie aus Eimern, aber ohne Rücksicht auf die eigenen Klamotten zauberten die ehrenamtlichen Helfer flugs zwei Klapp-Pavillons herbei - so dass das Publikum das Hörspiel um den dritten Fall des Privatdetektivs in vollen Zügen genießen konnte.

Spannendes Kino für die Ohren

Im Vergleich zu den 267 Seiten von Schorlaus Kriminalroman ist die 45-minütige Hörspiel-Produktion aus der SWR-4-Reihe „Mundarthörspiel“ doch sehr gestrafft und um viele Personen und einige Handlungsstränge gekürzt. Mit exzellenten Sprechern, darunter dem Esslinger Schauspieler Jo Jung, und einem enormen Aufwand an Geräuschen ist „Fremde Wasser“ jedoch äußerst spannend als Kino für die Ohren in Szene gesetzt: Da sind die letzten Minuten im Leben der Abgeordneten Angelika Schöllkopf, bevor sie am Rednerpult im Bundestag mit einem Herzinfarkt zusammenbricht, mit bumpernden Herztönen unterlegt. Allein die Großmutter glaubt nicht an einen natürlichen Tod - und engagiert Georg Dengler. „Fremde Wasser“ ist wieder einmal ein Schorlau-Fall, dessen Lösung eben nicht nach dem klassischen Muster „Motiv, Tatwaffe, Tatort“ funktioniert, und so kommt Georg Dengler erst im Laufe seiner Ermittlungen den verzwickten Zusammenhängen und einem handfesten Skandal auf die Schliche: Skrupellose Investoren kaufen kommunale Wasserwerke und machen krumme Geschäfte mit dem Trinkwasser.

Wolfgang Schorlau, der dieses brisante Thema des Cross-Border-Leasings und der Privatisierung des Trinkwassers gründlich recherchiert hat, lange bevor es in den Medien publik wurde, machte im anschließenden Gespräch mit SWR-Redakteurin Christel Freitag klar, dass es in der Zukunft nur zwei Möglichkeiten geben wird: „Entweder das Wasser gehört dem, der’s bezahlen kann. Oder der Zugang zu Wasser ist ein Menschenrecht.“

Tipps von den Lesern

Häufig, so erzählte Wolfgang Schorlau auf der Burg, werde er beim Zeitunglesen auf Themen für seine Krimis aufmerksam. Immer wieder aber schreiben ihm auch Leser: „Da könnte sich doch der Georg Dengler mal drum kümmern.“

Eßlinger Zeitung 4.8.2009