EZ 1. August 2009: Interview Sängerin Mona Suzann, „Musik ist fast alles in meinem Leben“


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„Musik ist fast alles in meinem Leben“

Mit unkonventionellen Eigenkompositionen und sehr persönlichen Texten zum Erfolg - Gastspiel am Sonntag im Kino auf der Burg

Ihre Musik hat einen ganz besonderen Zauber. Kenner schwärmen von einer „noch nie dagewesenen Synthese aus Poesie und anspruchsvollen Kompositionen“, jeder Song ist für sich ein kleines Kunstwerk. Dabei entzieht sich die Stuttgarter Sängerin Mona Suzann ganz bewusst jeglichem modischem Einerlei. Unbeirrt geht sie ihren Weg - und eine stetig wachsende Fangemeinde bescheinigt ihr, dass sie damit genau richtig liegt. Die Musik ist eine faszinierende Mischung aus Fusion-Jazz, Blues und Worldmusic, die Texte sind intensiv und voller Tiefe. Morgen, Sonntag, singt Mona Suzann im Kino auf der Esslinger Burg. Alexander Maier bat die Sängerin vorab zum Interview. Man trifft nicht alle Tage eine Künstlerin, die derart in ihrer Musik aufzugehen scheint. Welche Bedeutung hat Musik in Ihrem Leben?

Suzann: Musik ist fast alles in meinem Leben - das war schon in ganz jungen Jahren so. Lustigerweise erzählt meine Mutter, ich hätte erst gesungen und dann gesprochen. Musik war stets ein Element, das ich aus ganz vielen alltäglichen Dingen herausgehört habe. Schon als Kind habe ich manchmal versucht, in Viererschritten zu laufen, weil ich diesen Rhythmus gespürt habe. Und wenn die anderen ins Schwimmbad gegangen sind, bin ich lieber zuhause geblieben und habe Musik gemacht, weil ich dann die Wohnung ganz für mich allein hatte. Da konnte ich vieles ausprobieren, singen oder auf unterschiedliche Weise Musik machen. Das, was ich heute als Mona Suzann mache, ist ein Ergebnis meines bisherigen Lebens, weil Musik auf irgendeine Weise immer in mir war und ist.

Ihre Texte wirken sehr persönlich. Wie viel eigene Erfahrung verarbeiten Sie in Ihren Songs?

Suzann: Die Texte, die ich schreibe, entstehen aus dem, was ich erlebt habe oder was mich bewegt. Das sind oft Dinge, die ich auf diese Weise verarbeiten muss - wie in dem Titel „Eine Spur tiefer“ - das ist zum Beispiel eine Abrechnung mit jemandem. Oder nehmen Sie den Titel „In meiner Haut“, in dem es um die Frage geht, ob ich vielleicht von hier weggehen und anderswo einen Neuanfang versuchen soll.

Wie entstehen Ihre Songs: Ist erst die Musik oder der Text da?

Suzann: Beides entsteht oft parallel. Das ist, als ob ich gleichzeitig an zwei verschiedenen Baustellen arbeiten würde, die sich dann zusammenfügen. Ich setze mich so gut wie nie hin und nehme mir vor, mal eben einen Song zu schreiben. „Brombeersommer“ war der einzige Titel, der wirklich in einem Rutsch entstanden ist - keine Ahnung, wie ich das gemacht habe. Alle anderen Stücke sind eher in Etappen entstanden. Da ist zum Beispiel ein Text, den ich erst mal nur in Fragmenten aufschreibe, die sich irgendwann zusammenfügen. Oder ich habe ein bestimmtes Thema oder eine Melodiefolge im Kopf, aus denen sich nach und nach etwas entwickelt. Und irgendwann, wenn der richtige Moment gekommen ist, fügt sich alles auf einmal zusammen.

Ihre Songs klingen sehr eigenständig und verweigern sich ganz bewusst dem Mainstream. Warum machen Sie es sich nicht viel einfacher und bedienen einfach nur den aktuellen Zeitgeist?

Suzann: Weil ich gar keine andere Wahl habe, als die Musik zu machen, von der ich überzeugt bin. Das ist das, was aus mir rauskommt - etwas anderes könnte ich gar nicht. Stellen Sie sich vor, ich müsste mich verbiegen und hätte damit keinen Erfolg. Das wäre noch viel schlimmer. Mit den Jahren habe ich eine gewisse Bockigkeit entwickelt und sage mir: Ich mache mein Ding. Entweder funktioniert es oder nicht. Wenn ich sehe, dass das Publikum meine Haltung honoriert, ist das für mich die schönste Bestätigung.

Trotzdem müssen Sie sich den Regeln des Geschäfts stellen. Dazu zählt, dass es Songs, die länger als üblich sind, schwer haben, ins Radio zu kommen. Manche Ihrer Songs haben mehr als sieben Minuten und laufen damit Gefahr, es nicht ins Radio zu schaffen…

Suzann: Das ist schon richtig, aber ehrlich gesagt komme ich nach zweieinhalb Minuten erst so richtig in Fahrt. Da ist doch ein Stück noch nicht zu Ende, oder? Versuchen Sie mal, ein klassisches Stück in dreieinhalb Minuten runterzuspielen - das geht doch gar nicht. Bestimmte Musik braucht auch eine bestimmte Zeit. Und ich glaube, das Publikum sieht es auch so. Vor Jahren gab es im Radio eine große Hörerhitparade. Am Ende hat „Stairway to Heaven“ in der Hörergunst ganz klar gewonnen - ein Titel mit elfeinhalb Minuten Länge. Offenbar ist also nicht die Länge eines Stücks entscheidend, sondern die Qualität. Da darf man dem Publikum ruhig ein bisschen mehr zutrauen.

In Esslingen treten Sie beim Kino auf der Burg auf. Was hat Ihre Musik mit Filmen zu tun?

Suzann: Wir spielen an dem Abend, an dem hinterher die Verfilmung von Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“ läuft und das Kommunale Kino war wohl der Meinung, dass unsere Musik ganz gut dazu passen könnte. Das ist ein Film, der einen gewissen Anspruch hat - und den haben meine Songs auch. Also müsste das doch ganz gut harmonieren.

Mona Suzann ist am morgigen Sonntag, 2. August, ab 20.15 Uhr im Kino auf der Esslinger Burg zu hören. Anschließend läuft ab 21.45 Uhr Stephen Daldrys Film „Der Vorleser“.

Eßlinger Zeitung 1.8.2009