EZ 24. Juli 2009: Vor Überraschungen ist man nie gefeit


Sie sind hier: EsslingenKino auf der Burg2009EZ 24.7.2009: Überraschungen


Die Macher des Open-Air-Kinos auf der Burg im Interview - Auswahl der Filme sorgt für lebhafte Diskussionen

Die Macher vom Kino auf der Burg sind bestens auf das Open-Air-Spektakel vorbereitet: (von links): Stephanie Schnäbele, Stefan Hart, Klaus Christ vom Förderverein und Sibylle Tejkl.Foto: Bulgrin

Zum 17. Mal heißt es ab dem 28. Juli: Kino auf der Esslinger Burg. Nach 132 Vorstellungen mit rund 250 000 Besuchern in den vergangenen 16 Jahren haben die Veranstalter vom Kommunalen Kino jede Menge Erfahrung und gehen hochmotiviert und mit jeder Menge Enthusiasmus an die Organisation dieses Veranstaltungsmarathons, wie die hauptamtlichen Mitarbeiter Sibylle Tejkl, Stefan Hart und Stephanie Schnäbele im EZ-Interview mit Gaby Weiß versichern. Das Esslinger Kino auf der Burg war eines der ersten Open-Air-Kinos überhaupt. Mittlerweile gibt es viele Nachahmer - was macht das Kino auf der Burg aus Ihrer Sicht zu etwas ganz Besonderem?

Tejkl:

Einiges. Wir haben unsere Veranstaltung mit viel Engagement und Liebe ganz behutsam über Jahre hinweg zu dem gemacht, was sie heute ist. Wir sind Kinoleute und keine Werbeagentur-Mitarbeiter, die nur die Top 10 der Kinocharts rauf- und runterspielen. Wir verfügen über sehr viel, sehr wertvolle Erfahrung, die wir ausspielen. Als Verein mit einem riesigen Pool an ehrenamtlichen Helfern können wir uns den Luxus erlauben, unseren Besuchern einen guten Service anzubieten. Und wir bespielen einen der schönsten und stimmungsvollsten Plätze überhaupt: grün, großzügig und doch klar begrenzt durch die Burgmauer, stadtnah, mit einem wunderschö-nen Blick auf das mittelalterliche Esslingen.

Wie balanciert man das Film-Programm zwischen großen, populären Produktionen und kleinen cineastischen Kabinettstückchen aus?

Hart:

Es ist kaum möglich, alle Filme, die in einem Jahr auf den Markt geworfen werden, anzu-schauen. Aber unsere erste Liste umfasst zunächst fast alle Titel. Unsere Devise lautet, dass so viele Leute wie möglich aus Beirat, Vorstand und Geschäftsstelle so viele Filme wie möglich sichten. Dann geht es darum, die Filmliste auf 20 bis 25 Titel zu reduzieren, was lebhafte und durchaus auch kontroverse Diskussionen provoziert. Wir versuchen, unsere persönlichen Vorlieben für oder auch Abneigungen gegen Filme dabei möglichst im Hintergrund zu halten, was nicht immer ganz einfach ist. Danach sortieren wir die Filme nach Genre und Zielgruppe. Jetzt gilt es noch, den richtigen Film auf den richtigen Wochentag zu platzieren. Bei allen Objektivierungsversuchen müssen wir aber letzten Endes doch vor allem ein gutes Gefühl haben.

Die Filme sind beim Kino auf der Burg das eine, das Beiprogramm, das in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut wurde, ist das andere.

Schnäbele:

Das ist ganz sicher ein weiterer Punkt, in dem wir uns positiv von vielen anderen Open-Air-Kinos abheben. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Beiprogramme Jahr für Jahr besser angenommen werden und unsere Gäste viel Spaß mit dem Filmquiz haben, die Kinder gerne basteln oder auf Schatzsuche gehen und es sehr geschätzt wird, wenn die Live-Musik so passend auf den Film abgestimmt ist wie in diesem Jahr zum Beispiel bei „Australia“ oder „Slumdog Millionär“. Es ist für uns eine große Motivation, uns immer wieder etwas Neues einfallen zu lassen, auch wenn es sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.

Dauerregen, Sturm und einstellige Temperaturen - was hat das Kino auf der Burg nicht schon alles mitgemacht. Wie sind Sie mit dem Wettergott für dieses Jahr verblieben?

Hart:

Wir haben beschlossen, we-der darüber nachzudenken noch darüber zu reden. Jetzt konzentrieren wir uns erstmal auf die Dinge, die wir noch beeinflussen können.

Wird man als Organisator mit den Jahren eigentlich ruhiger?

Hart:

Vor Überraschungen ist man natürlich nie ganz gefeit. Wir ste-cken Jahr für Jahr viel Zeit und Energie in den Versuch, die Risiken weiter zu minimieren. Das beruhigt natürlich. Trotzdem wollen wir gar nicht so sehr gelassen an die Planung gehen, denn das könnte zu Nachlässigkeiten führen, über die wir uns dann sehr ärgern würden.

Wie motivieren Sie jedes Jahr aufs Neue die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer für die Arbeit hinter den Kulissen?

Schnäbele:

Da haben wir mittler-weile ein echtes Luxusproblem. Wir haben nämlich eher zu viele Bewerbungen für die ehrenamtlichen Jobs, so dass wir gar nicht mehr alle berücksichtigen können. Auf die Erfahrung von Helfern, die teils seit 10, 12 oder gar 15 Jahren dabei sind, können wir nicht verzichten. Aber wir wollen natürlich auch dem Nachwuchs eine Chance geben.

Gibt es unter den diesjährigen Filmen einen Geheimtipp, den Sie den Kinofreunden besonders ans Herz legen möchten?

Tejkl:

Eigentlich sind es drei Tipps: „C’est la vie“ ist eine sehr elegant und brillant inszenierte Tragikomödie, bei der sich Unterhaltungswert und Anspruch sehr gelungen die Waage halten. „Sunshine Cleaning“ ist ungeheuer sympathisch und brillant gespielt. Und „Kleine Verbrechen“ ist wie ein entspannter Urlaub auf einer idyllischen griechischen Insel.

Verraten Sie unseren Leserinnen und Lesern Ihren ganz persönlichen Lieblingsmoment beim Kino auf der Burg?

Schnäbele:

Es ist immer wieder unglaublich, wenn nach drei Stunden Gewusel auf dem Burgplatz - Musik hören, Freunde treffen, essen, trinken, Glücksrad drehen - alle Zuschauer plötzlich konzentriert und voller Spannung den Filmbeginn erwarten.

Hart:

Immer wieder faszinierend ist es für mich, wenn sich der Burghof durch das Befestigen einer unscheinbaren weißen Plane auf einem hässlichen Baugerüst in ein so geniales Open-Air-Kino mit toller Kulisse verwandelt. Aber nicht zu schlagen ist der Moment, wenn man während oder nach der Veranstaltung in viele zufriedene und gut gelaunte Gesichter schaut.

Tejkl:

Stets ein Garant für Gänsehaut: Wenn 2000 oder mehr Gäste lachen und applaudieren.

[http://www.ez-online.de/lokal/esslingen/esslingen/Artikel449254.cfm|Eßlinger Zeitung 24.7.2009]