EZ 4. August 2008: Weltbeste Stimmung auf der Wiese


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Mit insgesamt rund 18 000 Besuchern endet das Open-Air-Kino auf der Burg - Kommunales Kino präsentiert das Filmfestival gemeinsam mit der EZ

Von Gaby Weiß

Mit einem ausverkauften letzten Abend und insgesamt rund 18 000 Besuchern endete nach drei Wochen mit zwölf Vorstellungen das Kino auf der Esslinger Burg. „Wir kommen mit den Kosten raus, haben sogar ein kleines, feines Plus erwirtschaftet, das wir in die Arbeit des Kommunalen Kinos zurückinvestieren. Das ist eine tolle Anerkennung der doch recht harten Arbeit, die wir alle geleistet haben“, zieht Koki-Geschäftsführerin Sibylle Tejkl ein wenig erschöpft aber zufrieden eine positive Bilanz.

Weil es 2008 weder ein Burgfest der Dieselstraße noch Open-Air-Konzerte des Kulturreferats auf dem inneren Burgplatz gab, konnte das Kommunale Kino die Burg drei Wochen lang bespielen. Für die Veranstalter bedeutete das zwölf Abende Kino, dazu eine geschlossene Veranstaltung, mit der die Stadt 3500 ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger belohnte, und das Helferfest. „Wir sind abends todmüde ins Bett gefallen und die zwei spielfreien Tage, die wir jede Woche hatten, waren immer viel zu schnell wieder vorbei“, beschreibt Sibylle Tejkl den Kraftakt für die Veranstalter. Trotzdem würde das Koki auch im nächsten Jahr wieder zugreifen, wenn ihnen drei Wochen fürs Open-Air-Kino angeboten werden würden: „Das Risiko, ein völlig verregnetes Wochenende dabei zu haben, ist bei drei Wochen eindeutig geringer“, gibt Koki-Geschäftsführer Stefan Hart zu bedenken.

Die erste Woche mit sehr wechselhaftem Wetter beschied einem potenziellen Kassenschlager wie „Keinohrhasen“ gerade mal 1000 Besucher. Wobei das Wetter die echten Freilichtkino-Enthusiasten noch nie vom Filmbesuch auf der Burg abgehalten hat, wie Sibylle Tejkl weiß: „Wir haben Gäste, die kommen bei Regen am allerliebsten.“ Aber in Woche zwei und drei hatten die Kinomacher dann Glück: Bei der sentimentalen Liebesgeschichte „P.S. - Ich liebe Dich“ etwa gab’s in allen vier Himmelsrichtungen dunkelste Wolken, Gewitterstimmung und Wetterleuchten - allein die Esslinger Burg blieb trocken. Die hochsommerlichen Temperaturen sorgten für laue Filmnächte: „Wann kann man hier sonst schon mal nachts um halb eins kurzärmelig und barfuß im Freien sitzen?“, freut sich Sibylle Tejkl.

Obwohl sie mit dem stimmigen und erfolgreichen Konzept sehr zufrieden sind, feilen die Veranstalter weiter und haben noch viele Ideen auf Lager: Stefan Hart tüftelt am ebenso funktionalen wie atmosphärischen Lichtkonzept fürs komplette Areal. Das sonntagnachmittägliche Hörspiel, bei dem es in diesem Jahr erstmals bei freiem Eintritt Karl Mays Orientzyklus, das hässliche Entlein und das gruselig-komische Gespenst von Canterville als „Kino im Kopf“ im Burghof gab, ist im nächsten Jahr wieder geplant: „Das muss sich weiter herumsprechen, aber wir möchten das gern etablieren“, erklärt Hart. Und weil der Familientag des Gonzo-Kinderkinos mit Hühnersuchen, Basteln, Ballwurf und Filmquiz für tolle Stimmung auf dem ganzen Gelände sorgte, würde Sibylle Tejkl solche Aktionen gerne ausbauen: „Das Publikum goutiert das sehr, aber wir müssen auf der anderen Seite mit unseren Kräften haushalten und aufpassen, dass wir nicht in unseren zahllosen Überstunden untergehen.“

Die Programmmacher freuen sich, dass sie den Geschmack des Publikums getroffen und mit dem Festival-Spielplan sehr unterschiedliche Zielgruppen angesprochen haben. „Bei ’Unsere Erde’ waren vom Urenkel bis zu den Großeltern vier Generationen auf dem Platz, ‚Die Welle’ hat ein jugendliches Publikum angelockt, und bei ‚Ratatouille’ war ein richtiger Familientag“, freut sich Sibylle Tejkl. Stefan Hart hat erstaunt registriert, wie viele junge Leute sich für „Metropolis“, den Stummfilm-Klassiker mit Live-Musik-Begleitung, begeistern konnten: „Ich bin sicher, die können wir auch für Arthouse-Filme interessieren und damit für das Kommunale Kino in der Maille als Gäste gewinnen.“

Ein durchdacht zusammengestelltes Filmprogramm, Live-Musik zum Anwärmen und pfiffige Kurzfilme als Appetithappen, eine funktionierende Gastronomie vom Currywurst-Klassiker über leckere Bowlen-Cocktails bis zu indischem Curry und äthiopischem Fladenbrot, und dazu das grandiose Ambiente der nächtlichen Burganlage - kein Wunder, dass Koki-Beiratsmitglied Thea Feulner ins Schwärmen gerät: „Wir hatten die weltbeste Stimmung auf der Wiese.“ Das hat auch die 143 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die das dreiwöchige Festival mit vereinten Kräften auf die Beine gestellt haben, motiviert, wie Thea Feulner betont: „Das macht Laune. Da macht das Arbeiten gleich noch mal so viel Spaß.“

Die einmalige Atmosphäre beim Open-Air-Kino auf der Burg, das gemeinsam vom Kommunalen Kino und der Eßlinger Zeitung präsentiert und durch die Stadt sowie die Volksbank Esslingen unterstützt wird, hat sich nicht nur beim Publikum landauf, landab herumgesprochen: So wurde mit Tele 5 ein neuer Werbepartner gewonnen, der unter dem Motto „Wir lieben Kino Open Air“ die sechs schönsten Freiluft-Kinoveranstaltungen Deutschlands sponsert. Und da gehört Esslingen unzweifelhaft mit dazu.

Quelle: Eßlinger Zeitung 4.8.2008