EZ 29. April 2008: Rock-Express fährt an der Burg vorbei


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ESSLINGEN: Keine sommerlichen Open-Air-Konzerte - Kritik an Stuttgarter Konkurrenz

Von Alexander Maier

Schlechte Nachrichten für das Esslinger Musikpublikum: Der Rock-Express fährt in diesem Sommer an der Burg vorbei. Während sich in der Landeshauptstadt die Kon zert-Highlights während der kommenden Monate gegenseitig Konkurrenz machen, gehen die hiesigen Fans leer aus. Für 2008 ist der Zug abgefah ren - ob es im kommenden Jahr besser wird, weiß angesichts finanzstarker Stuttgarter Konkurrenz keiner. Bis zuletzt hatten das städtische Kulturreferat und seine Partner, die Stuttgarter Agenturen Music Circus und Michael Russ GmbH, gehofft, ein attraktives Konzertprogramm für die Burg auf die Beine zu stellen. Drei Tage waren im Juli reserviert - nun steht fest, dass nichts geht. Und das, obwohl 2007 die Gruppen Runrig und Wir sind Helden eindrucksvoll demonstriert hatten, welch erfolgreiche Konzerte dort möglich sind. Olaf Danner von der Agentur Russ und Hans-Peter Haag vom Music Circus hätten den Esslingern gerne auch diesmal große Namen präsentiert. „Aber bei Veranstaltungen dieser Größenordnung muss alles passen. Das war diesmal leider nicht der Fall“, sagt Danner. Und er verweist wie sein Kollege Haag auf die Rahmenbedingungen, die ihnen die Arbeit nicht leichter machen: Wegen der städtischen Open-Air-Richtlinien, die von den Veranstaltern durchaus akzeptiert werden, stehen nur wenige Veranstaltungstage zur Verfügung - und die passen häufig nicht zu den Tourneeplänen internationaler Stars. „Auf der Freilichtbühne Killesberg können wir dagegen zwischen Ende Mai und Anfang September ziemlich frei disponieren“, weiß Haag. Außerdem lassen die Örtlichkeiten auf der Burg nicht jede Veranstaltung zu: Das Gelände erlaubt weder schwere Aufbauten noch eine komplette Bestuhlung, die manche Künstler fordern. Hinzu kommt, dass Stadt und Agenturen einig sind, die Burg für besondere Veranstaltungen zu reservieren. „Wir bekommen bergeweise Angebote von Bands“, verrät Kulturreferent Peter Kastner. „Aber wenn wir von einer Veranstaltung nicht überzeugt sind, machen wir das nicht. Sonst ist der gute Ruf der Burg bald dahin.“

Überzeugt waren Stadt und Veranstalter beispielsweise von Paul Simon, der mit dem Duo Simon & Garfunkel ein Stück Musikgeschichte schrieb und den man auch für die Burg auf der Rechnung hatte. Doch die Verhandlungen zerschlugen sich, weil die Burg nur maximal 5000 Besuchern Platz bietet und weil das Kulturreferat für Eintrittspreise eine Schallgrenze von 60 Euro festgelegt hat. Um so überraschter waren alle Beteiligten, als wenig später die Kunde kam, dass eben jener Paul Simon nun bei den Jazz-Open in Stuttgart auftritt - obwohl der Veranstaltungsort Pariser Platz noch kleiner ist als die Esslinger Burg.

Zahlungskräftige Jazz-Open

Für Olaf Danner und Hans-Peter Haag gibt es dafür nur eine Erklärung: Der Jazz-Open-Veranstalter Opus muss beim Künstler-Honorar deutlich tiefer in die Tasche gegriffen haben. Das alleine wäre für die beiden kein Problem - wenn ihr Konkurrent nicht auf Zuschüsse von Stadt und Land zurückgreifen könnte. Und eben dieser Umstand hat zuletzt auch in der Landeshauptstadt für Verstimmung gesorgt. „Es kann nicht sein, dass ein Veranstalter für kommerzielle Rock- und Pop-Konzerte öffentliche Subventionen erhält“, moniert Olaf Danner und verweist darauf, dass Künstler wie Lenny Kravitz, Paul Simon oder die Rock-Band Chicago nun wahrlich nicht in die förderungswürdige Jazz-Ecke gehören. Schützenhilfe erhält Danner von Kulturreferent Peter Kastner: „Die öffentliche Hand muss in vielen Bereichen Kultur fördern. Sie darf aber durch ihre Zuschüsse nicht dafür sorgen, dass eine ungleiche Wettbewerbssituation entsteht.“

Ob sich die Rahmenbedingungen im kommenden Jahr ändern werden, weiß noch keiner. Dennoch sind Hans-Peter Haag und Olaf Danner zuversichtlich, dass es 2009 auf der Esslinger Burg wieder Konzerte geben wird. Auf öffentliche Zuschüsse spekulieren sie keinesfalls - eher auf die guten Erfahrungen der Vergangenheit: „Wir haben es fast in jedem Jahr geschafft, ein gutes Programm für die Burg zusammenzustellen. Nächstes Jahr wird das sicher wieder besser passen.“ Und in diesem Jahr freut sich das Kommunale Kino, das die drei vakanten Termine auf der Burg nun für sein Open-Air-Filmfestival nutzen kann. Vielleicht gibt es dann ja einen Musikfilm auf der Burg zu sehen - wie Martin Scorseses grandiose Rolling-Stones-Dokumentation „Shine a Light“.

Quelle: Eßlinger Zeitung 29.4.2008