EZ 6. August 2007: Kino auf der Burg erlebt ein Finale nach Maß


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Riesenstimmung und 15 000 Besucher an elf Abenden lassen Wetter-Debakel vom Vorjahr vergessen

Von Alexander Maier

Das Kino auf der Burg erlebte am Samstag ein Finale nach Maß: 3000 Film-Fans sorgten am letzten Abend für ausverkauftes Haus - insgesamt wurden an elf Abenden 15 000 Besucher gezählt. Doch nicht nur die blanken Zahlen entschädigen 130 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer des Kommunalen Kinos für ihr Engagement, sondern auch die tolle Stimmung im Kino auf der Burg. Das Wetter-Debakel vom vergangenen Jahr steckte manchen noch in den Knochen, als das Kino auf der Burg 2007 begann. Doch der Auftakt des Festivals, das vom Kommunalen Kino organisiert, von der Eßlinger Zeitung präsentiert und von der Volksbank Esslingen unterstützt wurde, machte allen Mut: Zunächst sorgte die Stadt Esslingen mit ihrem „Tag des Ehrenamts“, der als geschlossene Vorstellung über die Bühne ging, für einen gelungenen Probelauf. Tags darauf war die erste öffentliche Vorstellung mit Marcus H. Rosenmüllers liebenswerter Komödie „Wer früher stirbt, ist länger tot“ ausverkauft.

Wenn nicht alles täuscht, hätte es in den folgenden Tagen wohl noch manche ausgebuchte Vorstellung gegeben, wenn nicht das Wetter mehr als einmal seine Kapriolen getrieben hätte. Doch unter dem Strich waren die Witterungsverhältnisse diesmal viel besser als im Vorjahr. Und das treue Stammpublikum ließ sich selbst dann nicht stoppen, wenn es mal ganz mies aussah: Als etwa Bettina Oberlis bezaubernde Komödie „Die Herbstzeitlosen“ lief, erlebten Hunderte unverdrossener Zuschauer im Schnürlregen einen der schönsten Abende dieses Festivals. Und von Koki-Geschäftsführerin Sibylle Tejkl gab’s hinterher ein Extra-Lob: „Unser Publikum ist toll. Inzwischen gibt es sogar richtige Regen-Fans, die an solchen Abenden gerne kommen, weil die Stimmung dann besonders gut ist.“

Doch so richtig Spaß macht Kino auf der Burg natürlich immer dann, wenn das Wetter mitspielt - wie am letzten Festivalabend, als rund 3000 Besucher auf der Burg Ralf Westhoffs Spielfilm-Debüt „Shoppen“ in einer wohlig-lauen Sommernacht bejubelten. „Wenn ich höre, wie so viele Leute lachen und ihren Spaß haben, läuft es mir jedesmal wohlig den Rücken hinunter“, schwärmte Sibylle Tejkl am letzten Abend. Und nachdem sie sich mit dem schrillen Spektakel der „The Rocky Horror Picture Show“ am Donnerstag selbst das schönste Geschenk zum „Fünfzehnjährigen“ gemacht hatte, wurde die Koki-Crew am letzten Abend nochmals für all die Mühen der vergangenen Tage und rund 2000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit entschädigt, die das 130-köpfige Helfer-Team investiert hatte.

„Ohne dieses Engagement wäre solch eine Großveranstaltung nicht möglich“, erklärt Stefan Hart, der andere Geschäftsführer des Kommunalen Kinos. Dass sich das Festival-Team erstmals ausschließlich aus Koki-Mitgliedern rekrutierte, hat sich nach Harts Eindruck bewährt: „Das ist für die Identifikation mit dem Kommunalen Kino ganz wichtig, weil sich unsere Mitglieder noch besser in die Arbeit einfühlen und sich damit identifizieren können. Außerdem ist das Kino auf der Burg auch eine gute Möglichkeit, mehr jüngere Mitglieder zu bekommen.“

Dass das Kino auf der Burg 2007 als eines der gelungensten Festivals in Erinnerung bleiben wird, liegt vor allem an einer geglückten Programmauswahl. Und was das Bemerkenswerteste ist: Die Hits waren nicht etwa die großen Produktionen, die man als kleines Zugeständnis an den Mainstream-Geschmack ins Programm aufgenommen hatte - „Spiderman 3“ beispielsweise fand mit 550 Gästen den geringsten Zuspruch aller elf Filme. Sibylle Tejkl vermutet: „Hätten wir an diesem wettermäßig etwas unsicheren Abend einen Film wie ‚Die Herbstzeitlosen‘ gezeigt, wären es sicher weitaus mehr Besucher gewesen. Trotzdem war ' s ein guter Abend, weil ‚Spiderman‘ viel jüngeres Publikum angesprochen hat.“

Fortsetzung folgt 2008

Doch obwohl die kleinen und besonders feinen Filme den größten Erfolg hatten, mögen die Kinomacher für die Zukunft Mainstream-Filme nicht vorschnell aus dem Programm verbannen. „Wir werden das in Ruhe diskutieren und dann sehen, welche Lehren wir daraus ziehen. Ein Open-Air-Kino-Programm zusammenzustellen, ist immer unheimlich schwer. Und ob man es richtig gemacht hat, weiß man immer erst hinterher - wenn überhaupt. Welche Auswirkungen das Wetter am jeweiligen Abend hatte und ob es mit einem anderen Film anders gelaufen wäre, lässt sich nur spekulieren“, erläutert Sibylle Tejkl. Eines freilich ist nach diesem gelungen Kino auf der Burg keine Spekulation mehr: Eine Fortsetzung folgt im nächsten Jahr bestimmt - bis dahin kann Petrus ja noch üben.

Quelle: Eßlinger Zeitung 6.8.2007