EZ 28.8.2006: Stadt will Kommunales Kino nicht im Regen stehen lassen


Sie sind hier: EsslingenKino auf der Burg2006EZ 28.8.2006: Koki nicht im Regen


Esslingen: OB macht sich nach enttäuschender Bilanz des "Kinos auf der Burg" für 10 000-Euro-Zuschuss stark - Kulturausschuss entscheidet

Düstere Wolken lagen über dem jüngsten "Kino auf der Burg" - nun zeichnet sich doch noch ein Hoffnungsschimmer für Esslingens Kommunales Kino ab: Nachdem das Open-Air-Filmfestival wegen des miesen Wetters nicht die erhofften Zuschauerzahlen gebracht hatte, klafft eine dicke Lücke in der Kasse der Kinomacher, die auf die zusätzlichen Einnahmen angewiesen sind, um ihren laufenden Betrieb zu finanzieren. Doch die Stadt will das Koki nicht im Regen stehen lassen.

Von Alexander Maier

Auf rund 20000 Zuschauer hatte das Koki beim "Kino auf der Burg" gehofft, tatsächlich kamen insgesamt nur knapp 13000 - und das, obwohl die Veranstalter so viele Vorstellungen wie noch nie anbieten konnten. Doch das fast durchweg schlechte Wetter machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Selbst die in der Hoffnung auf besseres Wetter beschlossene Verschiebung der letzten Termine konnte die Bilanz nicht mehr retten. Und so musste Geschäftsführer Stefan Hart nach dem letzten Abend enttäuscht resümieren: "Wir haben unser Minimalziel nicht erreicht."

Dabei hatte das "Kino auf der Burg" trotz widriger Rahmenbedingungen einen Überschuss von rund 6000 Euro verbucht. Doch der reicht nicht aus. Angesichts knapper Kassen ist das Koki auf die Extra-Einnahme auf der Burg angewiesen, um den laufenden Betrieb zu finanzieren: Rund 30000 Euro aus dem Open-Air-Filmfestival waren im 400000 Euro-Jahresetat der Kultureinrichtung eingeplant. Damit fehlen knapp 24000 Euro in der Kasse, die das Kommunale Kino in arge Nöte bringen.

Doch im Rathaus weiß man um die finanziellen Sorgen: "Die Stadt Esslingen steht zum Kommunalen Kino", versicherte OB Jürgen Zieger gestern nach einem Gespräch mit den Geschäftsführern Sibylle Tejkl und Stefan Hart sowie Peter Kastner und Helmut Rausch vom Kulturreferat. Hinterher stand für Zieger fest: "Wir werden dem Kulturausschuss im November vorschlagen, die überregional bekannte Kulturinstitution nach der vom Wetter verwässerten Bilanz beim Open-Air-Kino auf der Burg mit einer einmaligen Überbrückungshilfe in Höhe von 10000 Euro zu unterstützen".

Weitere 10000 Euro werde das Kommunale Kino mobilisieren, indem Rückstellungen für die Lüftungsanlage im Stammhaus Maille 5 aufgelöst werden. Den Rest der aufgetretenen Deckungslücke will das Koki über das Engagement von Mitgliedern sowie seines Fördervereins decken. So könnte etwa die "Cinebar", die auf der Burg ihre Premiere feierte, auch anderweitig genutzt werden, um Geld in die Kasse zu bringen. Schweren Herzens müssen die Kinomacher außerdem auf ihr "Queerfilm"-Festival verzichten.

Strukturelle Probleme angehen

Doch damit ist das Koki längst nicht aller Sorgen ledig. Zuschuss-Kürzungen der vergangenen Jahre, die Belastungen durch das ambitionierte Wintergarten-Projekt sowie der Wegfall einer ABM-Stelle zwangen dazu, immer verbindlicher mit Einnahmen des "Kinos auf der Burg" zu planen - mit allen Risiken, die eine Open-Air-Veranstaltung birgt. Deshalb will die Stadt die strukturellen Finanznöte des Kommunalen Kinos grundsätzlich angehen. OB Zieger und Kulturreferent Peter Kastner möchten dem Kulturausschuss im Herbst "einen Vorschlag zur Kulturförderung unterbreiten, der die freien Kultureinrichtungen besser berücksichtigt als in den vergangenen Jahren". Dies könnte durch teilweise Übertragung der bisher für die WLB dynamisierten städtischen Zuschüsse in den freien Kulturbereich geschafft werden, da 2007 die mit dem Land vereinbarte Zuschussregelung erreicht werde. Eine solche Regelung soll nach Ziegers Ansicht "auch einen Weg aufzeigen, dass eine Unterstützung des Kommunalen Kinos nicht zu Lasten anderer Kultureinrichtungen geht".

Quelle: Eßlinger Zeitung 28.8.2006