EZ 18.8.2006: Endspurt bei Kino auf der Burg


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"Wir sind auf jeden Zuschauer angewiesen"

Esslingen: Verlegung von "Kino auf der Burg" ein organisatorischer Kraftakt - Vorstellungen heute und morgen

"Wir fühlen uns wie Glücksspieler." Sibylle Tejkl, Geschäftsführerin des Kommunalen Kinos, weiß noch nicht, ob sie lachen soll. Die Verlegung der vier Vorstellungen beim "Kino auf der Burg" von vergangener auf diese Woche ist ein Vabanquespiel. Tejkl: "Man weiß nicht, ob die Terminverschiebung die Leute in so kurzer Zeit erreicht."

Von Gesa von Leesen

Der erste verlegte Abend, der Mittwoch mit dem Film "Das Leben der Anderen", lief einigermaßen. Nicht ganz 1000 Zuschauer waren gekommen. "Das ist kein wirklich gutes Ergebnis, hier passen ja 3000 Besucher rein. Aber es waren mehr Leute, als wir an dem Wochenende vorher zusammen bekommen hätten", ist Tejkl sicher. Regen und Kälte hatten das Burgspektakel gründlich verhauen. "Wir haben ja schon im vergangenen Jahr gesagt, es war schlecht. Aber dieses Jahr ist es wirklich eine Katastrophe."

Um die Vorstellungen verlegen zu können, hat das Team vom Kommunalen Kino einen wahren Kraftakt vollbracht. "Dienstag vor einer Woche haben wir entschieden: Wir verlegen. Das hatten wir im Gespräch mit dem Esslinger Kulturreferenten Peter Kastner entwickelt. Als die Entscheidung gefallen war, wurde die gesamte Verwaltungsspitze aus dem Urlaub geklingelt", erzählt die Chefin. Eigentlich ist genauestens geregelt, wer wann wie lange auf der Burg Veranstaltungen durchführen darf. Tejkl: "Und diese Open-Air-Veranstaltungsverordnung ist ja eigentlich ein Heiligtum. Aber die Verwaltung hat alles getan, um uns zu unterstützen."

Der Verwaltungsakt war die eine Seite der Umorganisation. Die andere waren die Filmverleiher, die Toilettenhäuschenverleiher, die Zeltverleiher: "Die waren allesamt unglaublich solidarisch, hatten Verständnis und haben sehr faire Preise gemacht." Finanziell schlug vor allem die zusätzliche Werbung mit 7500 Euro zu Buche. Besonders hat die Kinochefin sich über die Bereitschaft der ehrenamtlichen Helfer, weiter zu machen, gefreut. "Beim Helferfest waren 100 Leute, die haben sich fast alle wieder in die Dienstpläne eingetragen."

Zum Beispiel Klaus Christ. Er ist im Vorstand des Vereins Kommunales Kino, im bürgerlichen Leben geht er dem Beruf des Elektronikers nach. In diesem Jahr hat er die - von einem Ehrenamtler gebaute - neue Bar organisiert. "Zu den zwei Wochen Urlaub, die ich mir dafür genommen hatte, kommt jetzt noch ein Tag dazu", sagt Christ.

40 Ehrenamtliche schieben Dienst

Rund 40 Frauen und Männer schieben jeden Abend ehrenamtlich Dienst. Einige allerdings verdienen doch ein paar Euro. "Für die ganz doofen oder langweiligen Jobs bezahlen wir ein wenig. Sonst geht der Spaß komplett flöten", erklärt Chefin Tejkl. Dazu gehören Parkplatzeinweiser und Klofrau.

"Toilettendame, bitte!", stellt Sandra Thomas klar. Die junge Frau, sonst Filmvorführerin im Kommunalen Kino, sitzt derzeit jeden Abend vor dem Toilettenwagen. Zum Stundenlohn kommt das Trinkgeld der Benutzer dazu. Ein Zettel "Für die Toilettendame" vor einem kleinen Korb fordert zu einer milden Gabe auf. Geben die Leute? "Na ja, die meisten schon. Ich sage immer demonstrativ 'Hallo', dann können sie nicht so tun, als wären sie gar nicht da." Eindeutig mehr kommt von den Frauen: "Männer geben so gut wie nie Geld." Allerdings seien Frauen auf der Toilette auch eindeutig die Schmutzfinken. "Manchmal ist das schon übel, was die da drin hinterlassen", sagt Sandra Thomas. Im Großen und Ganzen allerdings findet sie den Job nicht schlecht. Sie lacht: "Ich habe mir schon überlegt, so ein Toilettenwagen könnte ein schöner Zuverdienst sein."

Einen Zuverdienst braucht der Verein Kommunales Kino in diesem Jahr mit Sicherheit. Tejkl: "Es war zwar mit Sicherheit richtig, die letzten Vorstellungen zu verlegen, aber wir sind nicht so naiv zu glauben, dass wir finanziell damit hinkommen." Sie hofft nun auf Milde von Tief Dörte: "Wir sind auf jeden Zuschauer angewiesen."

Heute, 21 Uhr, läuft "Lady Henderson präsentiert", morgen von 21.45 Uhr an "Brokeback Mountain".

Quelle: Eßlinger Zeitung 18.8.2006