EZ 7.8.2006: Hoffen auf das Azorenhoch


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Hoffen auf das Azorenhoch

Esslingen: "Kino auf der Burg" leidet unter dem Wetter - Halbzeit mit "katastrophalen Zahlen" - 96-Jährige kommt zu "Elsa und Fred" Am Wochenende war Halbzeit beim 14. "Kino auf der Burg". Die Macher vom Kommunalen Kino haben Zwischenbilanz gezogen: Angesichts des nasskalten Wetters sprechen die Koki-Geschäftsführer Sibylle Tejkl und Stefan Hart von "katastrophalen Zahlen". ==

Von Jochen Blind

Das Startwochenende war noch vielversprechend: Entgegen der Wetterprognosen blieb es weitgehend trocken, die Zuschauer kamen in Scharen. Seitdem ist das Wetter jedoch kontinuierlich schlechter geworden - und die Zuschauerzahlen brachen dementsprechend ein. Inzwischen schenkt die Gastronomie sogar Glühwein aus.

"Situation bleibt angespannt"

"Wir sind total enttäuscht", erklärt Sibylle Tejkl. Aufgrund der stetig zurückgegangenen Zuschüsse könne das Kommunale Kino keinen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Deshalb sei man auf die Einnahmen vom "Kino auf der Burg" angewiesen. "Für einen ausgeglichenen Gesamthaushalt brauchen wir dieses Jahr 20 000 Besucher auf der Burg", rechnet Tejkl vor. Nach diesem Wochenende seien bereits zwei Drittel der Vorführungen vorüber - aber erst knapp die Hälfte der kalkulierten Besucher gekommen. "Damit ist das Open-air-Kino zwar kostendeckend", erklärt Stefan Hart, "unsere Situation bleibt jedoch angespannt". Ursprünglich hatte man gehofft, durch das diesjährige längere "Kino auf der Burg" genügend Einnahmen zu haben, um die überfällige Renovierung des Kinosaals in Angriff nehmen zu können. "Aber daraus wird nichts, denn das ist schon das zweite Regenjahr in Folge", so Tejkl. Nächstes Jahr werde man Franz Beckenbauer als Wetterberater engagieren - schließlich war während der Fußball-WM vier Wochen lang optimales Sommerwetter.

Trotz des schlechten Wetters lassen sich viele Cineasten den Filmgenuss nicht nehmen. "Bei schönem Wetter kann jeder ins Open-air-Kino", ist deren Grundhaltung. Alles also eine Frage der Einstellung - und der Ausrüstung. Die Esslingerinnen Laura Weidle und Jana Hotz gehörten am Wochenende zu den wenigen, die es sich auf der Liegewiese gemütlich einrichteten: Die beiden hatten mit Isomatten, Schlafsäcken und vier Schirmen ein kleines Zelt gebaut. "Das ist doch auch mal ein Erlebnis", lachten die beiden Teenager. Auch Andreas Lusch aus Kernen breitete sich mit seinen Begleitern und vielen Decken auf einer großen Plastikplane aus. "Der Besuch hier ist mein Geburtstagsgeschenk, wir mussten also kommen", erzählte er. Und seine Begleitung Kristine Kilian scherzte: "Das ist hier wie ein kleines Woodstock, und da gehört der Schlamm halt dazu."

Gut beschirmt

Auch ältere Cineasten legten viel Durchhaltevermögen an den Tag: Zur Vorführung der zauberhaften Dramödie "Elsa und Fred" um ein Liebespaar im Seniorenalter kam Elfriede Anhalt extra aus Tübingen angereist. Und die 96-Jährige hielt mit ihrem Enkel Volker unter einem großen Schirm bis zum Ende des Films durch. "Auch wenn ich wegen des starken Regens nicht alles verstanden habe", lachte sie.

Trotz der guten Laune hoffen Publikum und Macher des Esslinger Open-air-Kinos natürlich auf eine Besserung in der letzten Woche. "Da kommt ganz sicher ein Azorenhoch", zeigt sich Stefan Hart vom Kommunalen Kino überzeugt. Fernsehmeteorologe Jörg Kachelmann habe das einfach noch nicht entdeckt.

Quelle: Eßlinger Zeitung 7.8.2006