EZ 29.05.2006 : Mehr Kino auf der Burg denn je


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Mehr Kino auf der Burg denn je

ESSLINGEN: Open-air-Filmfestival bietet vom 28. Juli bis 12. August ein Dutzend Filme - Kommunales Kino profitiert von Konzert-Absagen  Nie gab es so viel Kino auf der Burg: Vom 28. Juli bis 12. August steigt das 14. Open-air-Filmfestival des Kommunalen Kinos, und mit zwölf Vorstellungen ist das Programm so umfangreich und reizvoll wie nie. Die Veranstalter profitieren davon, dass in diesem Jahr weder die Dieselstraße ihr Burgfest noch das Kulturreferat seine sommerlichen Konzert-Highlights organisiert. Die freien Termine übernehmen die Kinomacher von der Maille - und sie wollen das Beste daraus machen.

Von Alexander Maier

Das Kino auf der Burg, das seit seinen Anfängen von der Eßlinger Zeitung präsentiert wird, ist längst zum Markenzeichen in der Region geworden. Seit dem Kultursommer 1993 steigt jedes Jahr ein Filmfestival auf Esslingens Höhen, und die Begeisterung des Publikums ist ungebrochen, schließlich gilt die Burg als schönster Open-air-Veranstaltungsort weit und breit. Doch es ist nicht nur das reizvolle Ambiente, das das Publikum in Scharen lockt. Ein Heer ehrenamtlicher Helfer sorgt dafür, dass das Festival zum Erlebnis wird. Jeder Abend beginnt mit Live-Musik von Bands wie den Poems on the Rocks, Wadada, den Voice Cords oder den Louisiana Funky Butts. Dazu gibt's eine pfiffige Bewirtung, und wie es sich fürs Kommunale Kino gehört, pflegt man die Tradition, vorab einen Kurzfilm zu zeigen - Zoltan Spirandellis "Der Hahn ist tot" ist auf der Esslinger Burg längst zum Kult-Ereignis geworden.

Mit besonderer Spannung warten die Fans jedoch in jedem Jahr darauf, dass das Kommunale Kino verrät, welche Filme laufen werden. Diesmal haben die Festival-Macher um KoKi-Geschäftsführerin Sibylle Tejkl bessere Möglichkeiten denn je. Denn nachdem das Kulturzentrum Dieselstraße kein Burgfest veranstaltet und weil die Stadt keine Größen der Rock- und Popmusik-Historie präsentieren wird, darf das Kommunale Kino zwölf öffentliche Filmabende und einen Tag des Ehrenamtes für die Stadt organisieren - mehr Vorstellungen als je zuvor. Und auch wenn sich das Kommunale Kino die Kosten für Infrastruktur und Wiederbegrünung diesmal nicht mit anderen Veranstaltern teilen kann, strahlt Sibylle Tejkl. "Für einen Verein wie unseren ist das ein Geschenk des Himmels. Wir sind im Glück. So können wir ein noch attraktiveres Programm bieten. Und wenn das Wetter mitspielt, kommt Geld in die Kasse, das wir dringend brauchen, um unsere laufende Arbeit mit zu finanzieren."

Programm steht bereits fest

Eröffnet wird das Kino auf der Burg am 28. Juli von der schwedischen Dramödie "Wie im Himmel", danach laufen die Filme "Walk the Line" (29. Juli), "Sommer vorm Balkon" (30. Juli), "Die weiße Massai" (2. August), "Match Point" (3. August), die wunderbare Kino-Romanze "Elsa & Fred" (4. August), die als Geheimtipp im Programm gilt, sowie die Knetmännchen-Komödie "Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen" (5. August). Und auch die folgenden Tage haben es mit dem Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" (6. August), "Stolz & Vorurteil" (9. August), "Populärmusik aus Vittula" (10. August), "Lady Henderson präsentiert" (11. August) und dem etwas anderen Cowboy-Drama "Brokeback Mountain" (12. August) in sich.

Einen Stummfilm werden die Open-air-Film-Fans diesmal vergeblich im Programm suchen. Dieses Schmankerl für Cineasten hatte das Kommunale Kino in den vergangenen 13 Jahren stets serviert, doch diesmal wird der alte Brauch geknickt. "Es fiel uns selbst schwer, auf den Stummfilm zu verzichten", versichert Sibylle Tejkl. "Doch so sehr wir uns auch bemüht haben, ist es uns leider nicht gelungen, das Publikum wie erhofft mitzuziehen. Dabei ist der Stummfilmabend immer mit dem meisten Aufwand verbunden: Die Filme sollen etwas Besonderes sein, nur für diese Vorstellungen brauchen wir einen speziellen Projektor und auch die Live-Musik-Begleitung ist sehr aufwändig. Wenn dann wie in den letzten Jahren nur wenige hundert Besucher kommen, können wir uns das nicht mehr leisten."

Sibylle Tejkl und ihre Mitstreiter weinen dem Stummfilm mehr als eine Träne nach: "Wenn wir geahnt hätten, dass wir mehr Vorstellungstermine bekommen als bisher, wäre die Entscheidung vielleicht anders gefallen. Leider mussten wir uns entscheiden, als wir noch mit sieben Terminen kalkuliert hatten."

Quelle: Eßlinger Zeitung 29.5.2006