EZ 3. August 2005: Cineasten freuen sich auf furiosen Endspurt


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ESSLINGEN: Kino auf der Burg geht in die zweite Runde

Kommunales Kino bietet vier weitere Abende voller Filmkunst und Musik

Von Gaby Weiß

Die erste Runde im Kino auf der Esslinger Burg ist gelaufen, und wenn nicht das Wetter den Veranstaltern vor allem am Eröffnungsabend einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht hätte, wäre das Filmfestival des Kommunalen Kinos längst wieder auf Rekordkurs. Doch während die Open-air-Kino-Macher nichts gegen ein paar Zuschauer mehr einzuwenden gehabt hätten, ist die Stimmungs-Bilanz kaum zu verbessern: Selbst am ersten Abend, der mit Sturm und Regen begann, waren die Zuschauer allerbester Laune. Kein Wunder, dass viele Filmfans den Start der zweiten Runde kaum erwarten können.

Flotter Swing und fette Jahre

Mit einer geschlossenen Veranstaltung, zu der die Stadt ehrenamtlich Engagierte eingeladen hatte, ging's gestern Abend weiter - von heute an gibt es noch viermal Kino und Musik. Heute ab 20.15 Uhr spielen "The Players" zunächst mitreißenden Swing im Stil von Django Reinhardt sowie originelle Interpretationen bekannter Jazz- und Pop-Stücke. Nach Einbruch der Dunkelheit läuft im Kino auf der Burg, das wie immer von der Eßlinger Zeitung präsentiert wird, zunächst Sebastian Pörschkes Kurzfilm "Jürgen in seinem Passat". Und ab 21.45 Uhr läuft der Film "Die fetten Jahre sind vorbei" von Hans Weingartner - die Geschichte der drei Freunde Jule, Jan und Peter, die in ihrer vagen Wut auf die Verhältnisse im Land in Villen einbrechen, um medienwirksam zu protestieren. Beim Einbruch in die Villa eines Mannes, dem Jule seit einem Unfall eine sechsstellige Summe schuldet, geht einiges schief.

Nichts kann am Donnerstag auf der Esslinger Burg schiefgehen, wenn die "Melodious Tales" ab 20.30 Uhr mit traditionellen Swingnummern, wunderbar lyrischen Balladen und Instrumentalmusik für den guten Ton sorgen. Als Vorfilm läuft Sam Karmans "Omnibus". Und ab 22 Uhr geht's weiter mit Til Schweigers Regiedebüt "Barfuß", das Komödie und Roadmovie in sich vereint und dabei witzig, anrührend und hoffnungslos romantisch zugleich daherkommt: Das Leben des sympathischen, aber unzuverlässigen Tagediebs Nick wird auf den Kopf gestellt, als er in der Psychiatrie zufällig der jungen Leila das Leben rettet. Fortan wird er die zerbrechliche, naive, weltfremde und wundersam starrsinnige Frau, der die eigene Mutter 19 Jahre jeden Kontakt zu ihrer Umwelt verwehrt hat, nicht mehr los . . .

Wer Musik im Kino und auf der Bühne gleichermaßen liebt, ist am Freitag auf der Esslinger Burg an der richtigen Adresse. Und wie immer beginnt der Abend mit Livemusik der Gruppe "mundART" - zehn Sängerinnen und Sänger sowie ein Pianist präsentieren Gospels, Pop- und Soul-Klassiker, unter anderem von Ray Charles. Und damit passt der Einstieg in den vorletzten Abend im Kino auf der Burg wundervoll zum Hauptfilm des Abends, Taylor Hackfords ebenso spannender wie klangvoller Filmbiografie "Ray", die das Leben einer Ikone der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts nachzeichnet. Über fünf Jahrzehnte hinweg gestaltete Ray Charles innovativ Elemente des Rhythm & Blues, Country, Gospel, Soul und Pop zu einem ganz eigenen Stil, der bis heute nachhallt. Doch nicht minder faszinierend ist die Lebensgeschichte dieses Mannes, der vom blinden Afroamerikaner aus einem Armenviertel in Georgia zu einem Superstar des internationalen Musikbusiness aufstieg, der ebenso beherzt für die Bürgerrechte kämpfte wie gegen sein Drogenproblem und der mit seinem oft maßlosen Lebensstil nicht selten an die eigenen Grenzen geriet. Taylor Hackford gelingt es vorzüglich, der facettenreichen Persönlichkeit von Ray Charles gerecht zu werden, ohne die Pop-Ikone einfach nur zu glorifizieren. Und er unterlegt seinen Film mit den schönsten, den bekanntesten und den originellsten Titeln von Ray Charles. Vor "Ray" läuft der neuseeländische Kurzfilm "Two Cars - One Night".

Zum Finale geht's in die Galaxis

Das Finale im Kino auf der Burg eröffnet am Samstag um 20.30 Uhr die Gruppe "Jive Injector", die "Funk- und Discogrooves, veredelt mit Elementen aus Latin und Jazz" verspricht. Ehe dann um 22 Uhr der Hauptfilm des Abends läuft, ist Moritz Langers Kurzfilm "Invasion of the Planet Earth" zu sehen. Und dann wird's kultig mit Garth Jennings' Verfilmung des juxigen Science-Fiction-Romans "Per Anhalter durch die Galaxis", der Douglas Adams' gleichnamiges Kultbuch augenzwinkernd in die Kinos bringt. Viel Spaß versprechen die Geschichten, die der Erdling Arthur Dent erlebt, nachdem ihm sein Kumpel Ford eröffnet hat, dass er erstens ein Außerirdischer ist und dass zweitens der Planet Erde einer intergalaktischen Umgehungsstraße weichen muss. Arthur und Ford können sich in letzter Sekunde auf ein Raumschiff der finster dreinblickenden Vogonen retten - und prompt ist turbulenten intergalaktischen Abenteuern Tür und Tor geöffnet.

Quelle: Eßlinger Zeitung, 3. August 2005