EZ 9.6.2005: Kultur-Fans stürmen die Burg


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Initialzündung

Kommentar

Von Alexander Maier

Die Wogen schlugen mächtig hoch, als die Stadtverwaltung im Herbst 1993 nach dem ersten Esslinger Kultursommer Bilanz zog: Einer makellosen kulturellen Bilanz stand ein 375 000-Euro-Defizit gegenüber - zu viel für den Gemeinderat, um seinen Segen zu einer Fortsetzung der kunterbunten Veranstaltungswochen zu geben. Mittlerweile wurde die Idee des Kulturreferenten Peter Kastner vielerorts kopiert, nur in Esslingen ist der Kultursommer Geschichte. Doch mit jedem Jahr wird deutlicher, dass das Festival weiterlebt - in zahlreichen sommerlichen Veranstaltungen, die sich quer durch die Stadt ziehen: Egal, ob es das Open-air-Kino auf Esslingens Höhen ist oder ob es die städtischen Konzerte auf der Burg sind - der Kultursommer hat sie erst möglich gemacht. Durch ihn wurden der Hafenmarkt und der Merkelpark als Veranstaltungsorte entdeckt, die Vernetzung der Kultureinrichtungen untereinander wurde forciert. Dass die Esslinger Kultur im Großen wie im Kleinen allerhand zu bieten hat, wurde nicht zuletzt durch den Kultursommer weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Selbst die Esslinger Literaturtage LesART sind im Grunde ein Kind des Kultursommers: Bei der Sponsorensuche hatte das Kulturreferat damals auch beim Bertelsmann-Club angeklopft, der zwar kein Geld für das Sommer-Spektakel lockermachen wollte, dafür jedoch den Esslingern ein Literatur-Festival anbot, das längst auch ohne die Bertelsmänner flügge geworden ist.

Mag sein, dass das damalige Kultursommer-Defizit der Stadt wehgetan hat. Doch mit jedem Jahr hat sich die Investition mehr amortisiert und die Kritiker von einst dürfen nun feststellen, dass sich der städtische Obolus inzwischen doppelt und dreifach ausgezahlt hat. Aus der Distanz von zwölf Jahren ist festzustellen, dass der Kultursommer 1993 zur Initialzündung für viele Attraktionen geworden ist, von denen die Stadt bis heute zehrt. Nicht auszudenken, wie viel mehr hätte entstehen können, wenn der Gemeinderat damals die Courage gehabt hätte, diesen Weg konsequent weiterzugehen und den Kultursommer dauerhaft zu etablieren.


Kultur-Fans stürmen die Burg

ESSLINGEN: Sommer-Attraktionen vom Burgfest über Al Jarreau und Eric Burdon bis hin zum Open-air-Kino

Das wird ein unterhaltsamer Sommer auf Esslingens Höhen: Die Dieselstraße verhilft ihrem traditionsreichen Burgfest zum Comeback, die Stadt präsentiert mit Al Jarreau und Eric Burdon gleich zwei Musiker-Legenden und das Kommunale Kino macht den sommerlichen Veranstaltungsreigen mit ihrem Kino auf der Burg komplett - für Letzteres steht nun das Filmprogramm.

Von Alexander Maier

Alle Jahre wieder warten die Rock-Fans überall in der Region gespannt darauf, wen Esslingens städtisches Kulturreferat und die Süddeutsche Konzertdirektion Russ wohl diesmal aus dem Hut zaubern werden. Top-Stars wie Jethro Tull, Steve Winwood, Van Morrison oder B. B. King hatten die Messlatte in den vergangenen Jahren hoch aufgelegt - nicht minder hochkarätig geht es in diesem Sommer weiter: Zunächst gibt sich am 26. Juli der amerikanische Jazz- und Soul-Star Al Jarreau die Ehre, nur einen Tag später rocken Eric Burdon & The Animals am 27. Juli auf der Esslinger Burg. Und wenn der Vorverkauf weiter derart munter brummt, dürften beide Veranstaltungen Rekordbesuch erleben.

Den wünschen sich zuvor auch die Dieselsträßler, wenn das traditionsreiche Burgfest sein Comeback feiert. Die Zeichen stehen günstig, denn das Programm, das die Macher des Kulturzentrums auf die Beine gestellt haben, kann sich sehen lassen: Tim Fischer eröffnet am 21. Juli das dreitägige Festival auf der Burg, Sophie B. Hawkins steht am 22. Juli im Mittelpunkt und am 23. Juli gibt sich der bayerische Nonkonformist Georg Ringsgwandl die Ehre. Doch es sind nicht nur große Namen, die während des Burgfestes für Stimmung sorgen: Jeder Abend beginnt mit einem Riesenspektakel auf dem Burgplatz, wo Kleinkünstler, Straßentheater-Ensembles, Komödianten und Musiker jede Menge kultureller Appetithäppchen servieren.

Filmfeste unterm Sternenzelt

Wenn Musiker und Kleinkünstler nach Burgfest und Groß-Konzerten ihre Utensilien wieder eingepackt haben, ist auf Esslingens Höhen noch lange nicht Schluss. Denn vom 29. Juli bis 6. August gehört die Burg acht Abende lang den Film-Fans: Bereits zum 13. Male lädt das Kommunale Kino zum Kino auf der Burg ein, und wie immer werden die Zuschauer in Scharen kommen, schließlich hat es sich längst überall in der Region herumgesprochen, dass es weit und breit kaum ein schöneres Ambiente für ein rauschendes Filmfest unterm Sternenzelt gibt. Zum Erfolg des Kinos auf der Burg tragen freilich nicht nur die einzigartige Kulisse und eine perfekte Organisation bei, sondern auch das attraktive Filmprogramm, das ganz bewusst nicht nur auf Kassenschlager setzt, sondern auch dem anspruchsvollen europäischen Film eine Chance gibt - und den Klassikern der Filmkunst.

Das Repertoire kann sich auch diesmal sehen lassen (der Kino-Vorverkauf beginnt Anfang Juli): "Alles auf Zucker", "Die Kinder des Monsieur Mathieu", "Fritz Langs Stummfilm "Der müde Tod", die deutsche Produktion "Die fetten Jahre sind vorbei", das Roadmovie "Barfuss", die grandiose Musiker-Biografie "Ray" und die schräge Science-Fiction-Komödie "Per Anhalter durch die Galaxis" dürften einmal mehr für volles Haus sorgen. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen ...