EZ 9.8.2004: Kinobesucher belohnen den Mut zum Risiko


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Kinobesucher belohnen den Mut zum Risiko

ESSLINGEN: Neuer Rekord auf der Burg 20000 Zuschauer strömen in das Freilichtkino Programmfilme als Publikumsmagnet

Die Veranstalter haben allen Grund zur Freude: Das 'Kino auf der Burg' ist wirklich zu einem Markenzeichen geworden, sagen sie. Mehr als 20000 Besucher sind zu dem zehntägigen Open-Air-Filmfestival geströmt. Das ist ein neuer Rekord. Der Mut zum Risiko, auch unbekanntere Filme ins Programm aufzunehmen, wurde belohnt. Erbsen auf halb 6 stand an erster Stelle in der Gunst des Publikums.

Von Sabine Försterling

Silvana Münch wurde am Samstag mit einem Blumenstrauß und einem Glas Sekt überrascht. Die 24-Jährige konnte es kaum glauben, dass mit ihrem Besuch die Rekordzahl von 20000 erreicht wurde. Seit drei Jahren kommt die Filmbegeisterte wegen der einmaligen Atmosphäre zum Festival. Hier kann man sich gemütlich hinlegen, zunächst was essen und der Live-Musik lauschen. Auch von den Vorfilmen ist Münch begeistert. Am liebsten würde die 24-Jährige alle Festival-Filme sehen. Doch es fehlt ihr an Zeit und Geld. Heuer hat sie sich für den dritten Teil der Herr der Ringe entschieden, obwohl sie den Film schon zwei Mal gesehen hat. Die junge Frau aus Remshalden betont, dass sie sich gezielt für die Aufführung auf der Burg entschieden hat. Der Film läuft in diesen Tagen auch in Stuttgart unter freiem Himmel. Esslingen ist für sie aber erste Wahl.

Anspruchsvolles kommt gut an

Michael Steinwascher streckte sich auf seiner Decke gemütlich aus. Das ist doch spitze, schwärmte der 50-Jährige, der mit seiner Frau und zwei befreundeten Paaren angerückt war. Steinwascher hat zum ersten Mal den Weg zum Kino auf der Burg gefunden. Den Herr der Ringe kennt er nicht, aber es könne auch jeder andere Film sein. So was muss man einfach mal erlebt haben. Und wenn es tatsächlich noch zu regnen anfangen sollte, wollen sich die Paare mit der Plane am Gitter schützen, vor dem sie es sich gemütlich gemacht hatten.

Seit Claudia und Michael Kaiser keinen Baby-Sitter mehr für ihre Kinder brauchen, wenn sie abends weggehen, zieht es sie regelmäßig zum Kino auf die Burg. Claudia Kaiser war dieses Jahr sogar schon vier Mal da. Die Vorfilme sind einfach cool. Besonders gefallen hat ihr der Film Erbsen auf halb 6.

Es ist erstaunlich, dass dieser unbekannte Film, den in ganz Deutschland nur 250000 Besucher gesehen haben, auf der Burg zum Publikumsrenner wurde, erzählte Sibylle Tejkel vom veranstaltenden Kommunalen Kino. Auf dem zweiten Platz landete nicht etwa der Kassenknüller Das Wunder von Bern, sondern Whale Rider. Es war eine laue Sommernacht, der Vollmond schien und das Publikum lachte und schluchzte bei der anrührenden Geschichte mit wunderschönen Bildern, schwärmte Tejkel. Vor zehn Jahren sei man mit anspruchsvollen Filmen noch hereingefallen. Inzwischen habe man aber mit dem Konzept, nicht nur Hollywood-Kost zu servieren, Erfolg. Wir haben das Baby aufgepäppelt, so Tejkl.

Wettergott muss mitspielen

Und natürlich muss der Wettergott mitspielen. 2000 war fast jede Vorführung verregnet und nur 7000 Besucher fanden den Weg zum Festival. Besonders freut die Veranstalter, dass es Jung und Alt sowie inzwischen auch Betriebsbelegschaften auf die Burg zieht. Ohne das unermüdliche Engagement der über 130 ehrenamtlichen Helfer wäre ein solcher Erfolg aber nicht möglich. Das Kommunale Kino ist auf die Gewinne aus der Freiluftveranstaltung angewiesen. Im vergangenen Jahr konnte man sich dank der 18000 Zuschauer eine digitale Tontechnik leisten. Nun müssten dringend die 20 Jahre alten Kinosessel im Kommunalen Kino ersetzt werden. Nur mit den Zuschüssen ist das laut Tejkl aber nicht möglich.

Quelle: Eßlinger Zeitung vom 9. August 2004