Stuttgarter Zeitung 25.7.2003


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Stuttgarter Zeitung 25.7.2003

Ein ständiger Kampf zwischen Kommerz und Qualität

Das Kino auf der Burg ist mit "My big fat Greek Wedding" in seine elfte Saison gestartet - 750 neue Stühle für mehr Sitzkomfort

ESSLINGEN. Im Programm unterscheiden sich die zwei großen, traditionsreichen Freiluftkinofestivals in Esslingen und Ludwigsburg nur wenig. Doch beide haben ihre ganz eigene Atmosphäre.

Von Kai Holoch

"Wir sind doch Filmliebhaber!" So energisch wie Wolfgang Trosdorf, der Leiter des Kommunalen Kinos Esslingen, diesen Satz sagt, ahnt man, dass es auch in diesem Jahr wieder heiße Diskussionen gegeben hat, welche Filme man denn bei der elften Ausgabe des Kinos auf der Burg zeigen will - und welche eben nicht. Sybille Tejkl, auch sie seit den Anfangstagen des Esslinger Freiluftkinos im Kultursommer 1993 dabei, bestätigt die Vermutung. Die Programmplanung sei jedes Jahr aufs Neue ein spannender und reibungsintensiver Prozess.

Schließlich gilt es, aus einer Vielzahl von Möglichkeiten die Filme auszuwählen, die einerseits den finanziellen Erfolg sichern, die andererseits aber auch den selbst gestellten Ansprüchen an die Qualität gerecht werden. "Wir wollen hier die Möglichkeit nutzen, auch kleineren, aber ebenso publikumswirksamen Filmen einmal 2000 oder 3000 Zuschauer zu bescheren", so erklärt Trostorf. In diesem Jahr zählt er etwa "Solino" am kommenden Sonntag und "Kick it like Beckham" (am 1. August) zu dieser Kategorie. Hinzu kommt der traditionelle Stummfilm mit Livemusik - am heutigen Freitag steht Buster Keatons "Verflixte Gastfreundschaft" auf dem Programm. Es spielen die Negerländer.

Zusammen mit Ludwigsburg zählt das Esslinger Freiluftkino zu den Traditionsveranstaltungen in der Region. Beide setzen auf ein anspruchsvolles Programm - unterscheiden sich in dieser Hinsicht also nur wenig. Und doch gibt es Unterschiede im Umfeld. Während in Ludwigsburg alles auf eine perfekte Organisation ausgerichtet ist, weht über die Esslinger Burg immer noch der Hauch des Alternativen - auch wenn man in diesem Jahr 750 zusätzliche Stühle angeschafft hat und damit 1800 Besuchern recht bequeme Sitzmöglichkeiten bietet. Denn zumindest bei trockenem Wetter erfreut sich die als Liegewiese genutzte Freifläche nach wie vor großer Beliebtheit. Weitere 1200 Kinofans finden dort problemlos Platz.

Und wenn dann am kommenden Donnerstag "Good Bye Lenin" läuft, wird man links von der Leinwand wohl noch ein wenig enger zusammenrücken müssen. Während in Ludwigsburg die Versorgung mit Getränken relativ reibungslos verläuft, muss man in Esslingen schon längere, nein: ungemein lange Wartezeiten in Kauf nehmen, um an kühlendes Nass zu kommen. Nur wer sich für Sekt entscheidet, wird schneller bedient. Aber Sekt passt ja auch irgendwie nicht so recht ins alternative Umfeld.

Dafür hat Esslingen natürlich einen unschätzbaren Vorteil. Mit sieben Euro (ermäßigt fünf Euro) ist das Kino auf der Burg deutlich preiswerter als die Ludwigsburger Konkurrenz. Ohne die 130 ehrenamtlichen Mitarbeiter, die auch in diesem Jahr für einen reibungslosen Ablauf sorgen, wäre das allerdings nicht machbar. Ein kleiner Tipp: noch gibt es zwar ausreichend Karten für alle Abende. Aber wer sicher sein will, dass er auch wirklich eingelassen wird, sollte spätestens um 20 Uhr da sein. Die Wartezeit wird traditionell mit Livemusik überbrückt.

Quelle: Stuttgarter Zeitung, 25.7.2003