EZ 9.11.2006: Koki soll nicht im Regen stehen


Sie sind hier: EsslingenKino in Esslingen am NeckarKommunale Kino EsslingenPresseartikel


Koki soll nicht im Regen stehen

Esslingen: Kulturausschuss beschließt 10 000 Euro Soforthilfe und reduzierte Miete für das Kommunale Kino

Die Zukunft des Kommunalen Kinos ist erst einmal gesichert. Ohne große Diskussionen segnete der Kulturausschuss des Esslinger Gemeinderates gestern eine 10000-Euro-Soforthilfe sowie eine Mietreduzierung für das von Finanzproblemen geplagte Koki ab. Über weitere Hilfen wie eine verbesserte Infrastruktur oder höhere Dauerzu- schüsse soll möglichst noch dieses Jahr im Rathaus entschieden werden.

Von Alexander Maier

Auf Rosen war das Kommunale Kino nie gebettet, doch dank der zusätzlichen Einnahmen aus dem alljährlichen Filmfestival auf der Esslinger Burg hatte man sich bislang über Wasser gehalten. In diesem Jahr blieben wegen der verregneten Witterung mit den Zuschauern jedoch auch die erhofften Extra-Einnahmen aus und das Koki geriet in ernsthafte Schwierigkeiten. Das Defizit im Haushalt 2006 summierte sich auf 23 500 Euro. Einen Teil konnten die Kinomacher durch zusätzliche Einnahmen, Spenden, eine Mitglieder-Werbeaktion, Einsparungen und schmerzliche Abstriche am Programm auffangen. Zudem wurden Rücklagen für dringend nötige Renovierungsmaßnahmen aufgelöst. Übrig blieb dennoch ein Fehlbetrag von 10 000 Euro, den nach dem Willen von OB Jürgen Zieger die Kommune übernehmen sollte.

Finanzprobleme dauerhaft angehen

Im Kulturausschuss des Gemeinderates war man sich gestern rasch einig, dass die Stadt ihr Kommunales Kino nicht im Regen stehen lassen darf. Vertreter aller Fraktionen sprachen sich unisono dafür aus, dem Koki kurzfristig mit einem Barzuschuss von 10000 Euro unter die Arme zu greifen. Der Betrag wird je zur Hälfte aus Mitteln für Sonderveranstaltungen sowie der allgemeinen Projektförderung finanziert. Die strukturelle Unterfinanzierung des Kommunalen Kinos ist damit allerdings noch nicht aus der Welt. Deshalb machte sich Kulturreferent Peter Kastner im Ausschuss dafür stark, dem Koki zudem die Mietkosten für das Kino auf dem Lorch-Areal um jährlich 10000 Euro zu reduzieren. Außerdem plädierte die Verwaltung dafür, das Kommunale Kino als erste Kultureinrichtung mit zusätzlichen Geldern zu bedenken, wenn der Kulturausschuss dem geplanten Strukturfonds (siehe auch Seite 11 ) zustimmt.

Im Kulturausschuss rannte die Verwaltung mit ihrem Vorstoß offene Türen ein. "Wir haben die Nöte und Probleme des Kommunalen Kinos erkannt und halten die Soforthilfe sowie die vorgeschlagene Mietsenkung für den richtigen Ansatz", erklärte CDU-Fraktions-Chef Edward-Errol Jaffke. Doch das werde wohl nicht ausreichen, um das Koki dauerhaft auf eine solide finanzielle Basis zu stellen. Deshalb müsse die Stadt darüber hinaus über eine höhere Dauerförderung des Kommunalen Kinos nachdenken. Und um der Einrichtung bei der Senkung ihrer Ausgaben zu helfen, regte Jaffke an, mit dem Städtischen Gebäudebetrieb (SGE) über Investitionen in Heizungs- und Klimatechnik zu verhandeln: "Auch dadurch lassen sich unnötige Kosten einsparen, um den Etat weiter zu entlasten."

Kostensenkende Investitionen

Mit seinem Plädoyer für umfassende Hilfen für das Kommunale Kino stand Jaffke nicht allein: Richard Kramartschik (SPD) machte sich ebenfalls stark dafür, "Wege aufzuzeigen, damit das Koki dauerhaft vernünftig wirtschaften kann". Es könne nicht angehen, dass die Finanzierung der gesamten Einrichtung von den Unwägbarkeiten eines Open-Air-Kinos abhänge. Ins selbe Horn stießen auch Sigrid Beh (Freie Wähler) und Petra Schaback (Grüne), die ebenfalls die Bedeutung des Kommunalen Kinos für Esslingens Kulturlandschaft betonten. So gab der Kulturausschuss sofort grünes Licht für eine 10 000-Euro-Soforthilfe sowie eine Mietreduzierung. Außerdem soll die SGE Möglichkeiten einer verbesserten Heiz- und Klimatechnik aufzeigen. Und schließlich will man in der nächsten Sitzung auch darüber nachdenken, wie die Dauerförderung fürs Kommunale Kino erhöht werden könnte.

Quelle: Eßlinger Zeitung 9.11.2006


Kommentar: Weitsichtig

Von Alexander Maier

Mit seinem einmütigen Bekenntnis zum Kommunalen Kino macht der Kulturausschuss des Esslinger Gemeinderates Mut: dem Koki im Besonderen und der örtlichen Kulturszene im Allgemeinen. Denn die Probleme der Kinomacher kann man auch in anderen Häusern nachvollziehen: Obwohl man im Rathaus stets versucht hat, trotz knapper Kassen nicht allzu tiefe Einschnitte zuzulassen, ist die Finanzdecke gerade für die freien Kultureinrichtungen kurz geworden - für einige sogar zu kurz. Nun ist es an der Zeit, endlich wieder gegenzusteuern, wenn man nicht den Verlust wertvoller kultureller Substanz riskieren will.

Mit der gestrigen Entscheidung für eine solide Finanzierung des Kommunalen Kinos hat der Kulturausschuss über den Tellerrand hinaus gedacht. Gewiss, die Soforthilfe von 10 000 Euro ist unerlässlich, doch die Ratsmitglieder haben erkannt, dass das tatsächliche Problem nicht etwa ein kurzfristiger Engpass ist, sondern die strukturelle Unterversorgung einer Kultureinrichtung, die viel zu lange gezwungen war, von der Substanz zu leben. Nun ist die Chance eröffnet, das Kommunale Kino auf eine solide finanzielle Basis zu stellen. Die Stadträte haben erkannt, dass dazu keine kurzfristigen kosmetischen Korrekturen ausreichen. Die Probleme müssen grundlegend angepackt werden: Neben einer reduzierten Miete und kostensenkenden Investitionen in die Gebäudetechnik ist eine Erhöhung der Dauerzuschüsse für das Kommunale Kino kein Tabu. Das ist gut und richtig so, denn eine Esslinger Kulturszene ist ohne das Koki kaum vorstellbar. Doch nicht allein das Kommunale Kino hat Probleme. Nur einige Beispiele: Die künftige Unterbringung der Dieselstraße ist noch ungeklärt. Wie es im Central-Theater weitergehen soll, scheint unklar. Andere Kultureinrichtungen müssen seit Jahren von der Hand in den Mund leben. Wenn der Kulturausschuss die Probleme der freien Kulturszene insgesamt so konstruktiv angeht wie beim Koki, beweist er jene Weitsicht, die ihn in früheren Jahren immer ausgezeichnet hat.

Quelle: Eßlinger Zeitung 9.11.2006


Freie Kulturszene braucht mehr Spielraum

Esslingen: Kulturausschuss vertagt Entscheidung über Strukturfonds

Die Diagnose des Kulturreferenten Peter Kastner ist eindeutig: "Die finanzielle, beziehungsweise strukturelle Situation der freien Kulturszene hat sich in den letzten Jahren nachhaltig verschlechtert." Um den freien Kultureinrichtungen wieder Spielräume zu verschaffen, plant die Stadt einen Strukturfonds, mit dessen Hilfe die chronische Unterversorgung korrigiert werden soll. Der Kulturausschuss nahm die Idee gestern wohlwollend zur Kenntnis, vertagte jedoch die Entscheidung.

Von Alexander Maier

Die traditionelle Unterfinanzierung der Esslinger Kultur hat sich in den vergangenen Jahren weiter verschärft. Gedeckelten Zuschüssen der Stadt steht in vielen Einrichtungen ein finanzieller Mehrbedarf wegen der gekürzten Landeszuschüsse sowie vielfältiger Kostensteigerungen gegenüber. Darunter, so das Kulturreferat, habe die Kulturlandschaft "trotz der intensiven Bemühungen von Politik und Verwaltung gelitten". Unter dem Eindruck der finanziellen Probleme des Kommunalen Kinos (siehe dazu auch den Beitrag auf Seite 9 ) hatte Oberbürgermeister Jürgen Zieger im August einen Strukturfonds Kultur angeregt: "Eine feste Haushaltsposition in Höhe von jährlich 30 000 Euro, die von vornherein dynamisch angelegt ist und der strukturellen Absicherung und Unterfütterung der freien Kulturszene dient."

Adressaten, die dringend finanziellen Rückenwind bräuchten, gibt es in der Esslinger Kulturszene viele: Neben dem Koki denkt das Kulturreferat unter anderem an das Central-Theater , das Literarische Marionettentheater oder den Verein Kultur am Rande. Wichtig sei aber auch, so Kulturreferent Peter Kastner in seiner Sitzungsvorlage für den Kulturausschuss, Perspektiven für neue Initiativen zu schaffen.

Finanzierungsmöglichkeiten für einen Strukturfonds Kultur, der zunächst auf die Dauer von fünf Jahren angelegt sein soll, zeigte die Verwaltung den Ratsmitgliedern ebenfalls auf: Da 2007 die mit dem Land vereinbarte neue Zuschussregelung erreicht ist, könnten die bisher für die Württembergische Landesbühne dynamisierten städtischen Zuschüsse teils in den freien Kulturbereich übertragen werden. So ließe sich der städtische Etat für freie Einrichtungen nach und nach auf ein Niveau bringen, das der örtlichen Szene die nötigen Handlungsspielräume zurückgibt. Denn aus den dynamisierten Zuschüssen soll eine erhöhte Dauerförderung entstehen.

Sondersitzung im Dezember

Im Kulturausschuss wurde der Vorstoß der Verwaltung wohlwollend zur Kenntnis genommen. Dennoch einigten sich die Ratsmitglieder darauf, die Entscheidung über einen Strukturfonds für Esslingens freie Kulturszene zu vertagen - so wie die Abstimmungen über ein weiteres Kulturfest "Stadt im Fluss" im kommenden Jahr, über das Projekt einer Stadtoper sowie über das Begleitprogramm zur nächsten Foto-Triennale. Alle diese Themen sollen nun in einer Sondersitzung des Kulturausschusses am 6. Dezember entschieden werden. Wobei Vertreter der Ratsfraktionen anklingen ließen, dass sie die Notwendigkeit eines Struktur- oder Risiko-Fonds durchaus nachvollziehen können.

Quelle: Eßlinger Zeitung 9.11.2006