EZ 23.6.2006: Als die Bilder im Koki laufen lernten


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Als die Bilder im Koki laufen lernten

Eßlinger Zeitung, 23.06.2006

ESSLINGEN: Kommunales Kino blickt auf 25 erfolgreiche Jahre zurück - Attraktiver Standort und ein facettenreiches Programm mit vielen Extras (adi) - Esslingens Kommunales Kino blickt in diesem Sommer auf das erste Vierteljahrhundert seiner Geschichte zurück, die nach schwierigen Anfängen immer mehr zu einer Erfolgsstory wurde. Vor 25 Jahren hatte eine Gruppe junger Cineasten begonnen, mit einem geliehenen 16-Millimeter-Projektor durch diverse Esslinger Räumlichkeiten zu tingeln und in unregelmäßigen Abständen Filme vorzuführen. Heute hat das Kommunale Kino im Lorch-Areal an der Maille ein professionell betriebenes und gut ausgestattetes kleines Filmtheater mit rund 900 Vorstellungen und 32 000 Besuchern im Jahr."Es war ein riesiger Sprung, der in 25 Jahren harter, aber stets lustvoller Arbeit vollzogen wurde", erinnern sich die Kinomacher von der Maille. "Von Anfang an konnte die Initiative auf die Unterstützung der SPD-Gemeinderatsfraktion und der Landtagsabgeordneten Elisabeth Nill bauen, die sich unermüdlich und letztlich mit Erfolg dafür einsetzten, dass dem Kommunalen Kino Esslingen auf Stadt- und Landesebene Anerkennung und eine verlässliche finanzielle Förderung zuteil wurde."

"Andere Filme anders zeigen"

1982 eröffnete der Verein in der Kanalstraße 29 ein erstes eigenes Kino mit zwei 16-Millimeter-Projektoren, 1987 wurde der Umzug in die heutigen Räume im Lorch-Areal mit professioneller 35-Millimeter-Vorführtechnik vom Gemeinderat ohne Gegenstimme beschlossen. Und als die Ratsmitglieder im Jahr 2000 erhebliche Mittel für die Realisierung des Wintergarten-Projekts bewilligten, konnte sich das Kommunale Kino mit viel Eigenleistung und großem Engagement den Traum von einem bewirteten Foyer und einem überdachten Kassenbereich erfüllen. Und was den Machern besonders wichtig ist: "Bis heute stehen alle Fraktionen im Esslinger Gemeinderat hinter dem Koki und anerkennen und unterstützen es als eine selbstständige Kultureinrichtung, die das kulturelle Leben Esslingens bereichert." Die enge Zusammenarbeit mit anderen Kultur- und Bildungseinrichtungen in der Stadt ist Programm, eine Komplementärförderung durch das Land ist vertraglich zugesichert.

Auch die heutigen Kinomacher stehen stolz hinter dem Motto "andere Filme anders zeigen", mit dem die Vereinsgründer vor 25 Jahren angetreten waren: Das Publikum sieht im Kommunalen Kino immer wieder Filme, die keinen Verleih mehr haben oder nie einen bekommen werden oder gar aus dem Ausland importiert werden müssen. Und diese Streifen werden auch ein bisschen anders präsentiert: Das Kino soll nicht nur frei von Popcorn und Werbefilmen sein, sondern auch ein Ort der Begegnung und Auseinandersetzung, um das Bewusstsein von Film als Kunstform zu stärken, um den Überlebensraum für das filmkulturelle Erbe zu sichern, aber auch, um phantasievoll Bildung und Spaß miteinander zu verbinden.


Arbeit wird zum Balanceakt

"Die anhaltend prekäre Finanzlage von Stadt und Land und die damit einhergehenden Zuschusskürzungen sind jedoch trotz aller Akzeptanz eine ständige Bedrohung", geben die Kinomacher zu bedenken. So musste im Jahr 2000 das Stummfilmfest eingestellt werden, auch die alltägliche Arbeit wird immer mehr zum Balanceakt (siehe Interview). "Es galt und gilt also, Wege zu größerer finanzieller Unabhängigkeit zu finden", wissen die Verantwortlichen - und sie bekamen durch den Kultursommer unverhofften Rückenwind: Seit 1993 bereichert das "Kino auf der Burg" nicht nur das sommerliche Kulturangebot in Esslingen, sondern hilft dem Kommunalen Kino auch, Geld in die Kasse zu bringen - vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.

Das Esslinger Open-Air-Kino zählt zu den besucherstärksten Freiluftkinos der Republik, bis zu 130 ehrenamtliche Helfer machen das Festival zum Erfolg. Gewinne aus dem Kino auf der Burg konnten regelmäßig in die Ausstattung des Kinosaals, der Technik und der Kasse investiert werden, um den wachsenden Ansprüchen des Publikums gerecht zu werden. Die Extra-Einnahmen werden auch genutzt, um zuschussbedürftige Angebote wie das "Gonzo"-Kinderkino oder das "QueerFilmFestival" mit zu finanzieren.

Quelle: Eßlinger Zeitung, 23.06.2006:


"Wintergarten-Projekt war ein Riesensprung nach vorn"

Interview Koki-Geschäftsführerin Sibylle Tejkl

ESSLINGEN: Kommunales Kino zwischen cineastischem Anspruch und wirtschaftlichen Zwängen - Feste Größe in der Kulturszene

Ein Heer von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt die Arbeit des Kommunalen Kinos Esslingen - die Fäden laufen bei den beiden hauptamtlichen Geschäftsführern Sibylle Tejkl und Stefan Hart zusammen, für die die Arbeit im Koki nicht nur ein Job, sondern eine Herzensangelegenheit ist. Im Gespräch mit Alexander Maier zieht Sibylle Tejkl, die seit 1991 die Kinoarbeit mit großem Engagement managt, eine Bilanz - und sie wagt auch einen Blick nach vorn.

Wenn Sie die vergangenen 25 Jahre Revue passieren lassen: Wie hat sich die Arbeit des Kommunalen Kinos verändert?

Tejkl:
Unser Verein, der die ersten sechs, sieben Jahre rein ehrenamtlich betrieben wurde, hat sich massiv professionalisiert - schon allein durch die Aufwertung unserer Örtlichkeit, die seit dem Umbau im Jahre 2001 mit neuem Foyer und vernünftigem Kassenbereich wirklich die Bezeichnung "Kino" verdient. Die Anzahl der Vorstellungen hat sich vervielfacht. Nachdem der Verein erst Wolfgang Trostorf als Geschäftsführer und später mich angestellt hat, konnte man ganz anders arbeiten. Und man konnte sich besser als Kultureinrichtung in der Stadt positionieren. Ich denke, es ist ganz gut gelungen, das Kommunale Kino in der Kulturszene zu etablieren. Das zeigt sich auch am Publikum: Anfangs hatten wir vor allem Jugendliche, inzwischen decken unsere Besucher das ganze Spektrum ab.

Sie müssen den Spagat zwischen cineastischem Anspruch und wirtschaftlichen Erfordernissen meistern. Wie gelingt es, zu überleben, ohne den eigenen Anspruch zu vernachlässigen?

Tejkl:
Es wird zunehmend schwerer, beides unter einen Hut zu bekommen. Das liegt zunächst an den ständig wachsenden Kosten, für die wir gar nichts können. Wenn wir zum Beispiel erfahren, dass für unsere Minijobber, für die bislang pauschal 25 Prozent an Sozialabgaben anfielen, plötzlich 30 Prozent fällig werden, ist das zwar kein Riesenbetrag, aber für unsere finanziellen Möglichkeiten ein Problem. Und wenn dann auch noch Kürzungen hinzukommen, die uns seit 2002 kontinuierlich ins Haus stehen, wird es von Jahr zu Jahr schwieriger, eine vernünftige Balance hinzukriegen. Es gibt viele sehr gute Filme, die wir gerne zeigen würden, von denen wir aber ganz genau wissen, dass sie nicht das große Publikum bringen. Da müssen wir schon genau nachdenken, was machbar ist und was nicht. Trotzdem werden wir unseren Anspruch an die Filme, die im Kommunalen Kino laufen, nicht aus den Augen verlieren.

Früher mussten Sie sich mit den Stadtkinos kabbeln, welche Filme Sie überhaupt zeigen dürfen. Ist das Verhältnis zum Traumpalast entspannter?

Tejkl:
Mit Heinz Lochmann und seinen Mitarbeitern klappt die Zusammenarbeit sehr gut. Natürlich gibt es manchmal Filme, die für uns Höhepunkte wären, während sie das Programm des Traumpalastes eher abrunden. Da muss man sich schon mal abstimmen, aber nicht aus Konkurrenz, sondern weil beiden Kinos derselbe Film am Herzen liegt. Aber heute werden wir uns in einem lockeren Telefonat einig, früher gab es schon mal unschöne Streitereien. Wir sind doch auch gar keine Konkurrenz füreinander. Was wir hier tun, hat den Anspruch, das Kinoangebot in Esslingen zu vervollständigen. Und wir sind froh, dass es mit dem Traumpalast ein hochwertiges gewerbliches Kino gibt. Alles zusammen tut dem Kinostandort gut.

Das Kommunale Kino hat mit dem Wintergarten-Projekt die Weichen Richtung Zukunft gestellt. Hat sich dieser Kraftakt bezahlt gemacht?

Tejkl:
Absolut. Es ist uns dadurch gelungen, ganz andere Publikumsschichten anzusprechen, weil unser Kino endlich auch höheren Anforderungen gerecht wird. Das Publikum hat heute auch ganz andere Ansprüche als vor 25 Jahren. Es war ein Riesensprung von unseren Anfängen in der Kanalstraße zu unserem heutigen Domizil im Lorch-Areal. Der Sprung nach vorn, der uns mit dem Wintergarten gelungen ist, ist mindestens ebenso groß.

Und was plant das Kommunale Kino für die nächsten Jahre?

Tejkl:
Wir müssten eigentlich nach dem Foyer endlich auch in unseren Kinosaal investieren. Leider sind uns derzeit finanziell etwas die Hände gebunden. Trotzdem ist uns klar, dass wir zum Beispiel dringend die Lüftung verbessern müssten. Wenn der Saal sehr voll und der Film sehr lang ist, merkt man schon, dass wir etwas tun müssten. Auch die Stühle könnten mal eine Erneuerung vertragen - die sind immerhin schon 20 Jahre alt und müssten mal wieder neu bezogen werden. Das sind die nächsten Aufgaben, denen wir uns stellen müssen.

Quelle: Eßlinger Zeitung, 23.06.2006