EZ 19. Juli 2005: "Central"-Restaurierung wird viel teurer


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ESSLINGEN: Kostenrahmen um 200 000 Euro erhöht - Hoffen auf Unterstützung - Wiedereröffnung erst 2006

(pwo) - Die Restaurierung des Esslinger Central-Theaters gestaltet sich sehr viel aufwändiger als erwartet. Damit das älteste noch existierende Kino Deutschlands, das 1913 in einer aus der Barockzeit stammenden Scheune entstanden war, in neuem Glanz erstrahlen kann, ist weit mehr Geld nötig als erwartet. Der Kostenrahmen wurde von 300 000 auf 500 000 Euro erhöht, 290 000 Euro sind noch zu finanzieren. Die Wiedereröffnung wird sich wohl bis Anfang des Jahres 2006 verzögern.

Architekt Joachim Achenbach bringt die Lage auf den Punkt: "Wir stehen vor einem ernsthaften Problem." Nun sollen weitere Fördermöglichkeiten des Landesdenkmalamts und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ausgelotet werden. Außerdem werden Sponsoren gesucht, denen das Kleinod aus der Gründerzeit am Herzen liegt. Schon eine Patenschaft für einen der Theaterstühle kann helfen.

Das "Central", von seinen Machern Svetlana Khinganskaia, Wladimir Khinghanskiy und Brigitte Sheikh oft liebevoll als "Urgroßmutter" bezeichnet, hatte zuletzt manche nicht immer angenehme Überraschung für sie bereit. Unter den maroden alten Farbschichten traten weitere marode Schichten zutage. Auch der prächtige neoklassizistische Stuck, der sich in Zahnfriesreihen unter der Decke und in Pilastern ringsum an den Wänden entlang zieht, bröckelt schon beim Hinsehen ab. Trotz der heiklen Aufgabe, einen Mittelweg zwischen Denkmalschutz und Bespielbarkeit zu finden, ist Architekt Joachim Achenbach zuversichtlich und verweist auf die gute Bausubstanz: "Die Raumschale ist in Ordnung." Zuweilen schlägt sein Denkmalschützerherz höher: Kürzlich ist zwischen Staub und Gerüsten eine Wand hinter der Wand aufgetaucht. Dort blieb die Wandgestaltung mit Pilastern, prachtvollen Malereien und in Stuck gestalteten Vasen in ihrer Farbenpracht gut erhalten. Nach der Wiedereröffnung soll ein Durchbruch in der Wand den Blick auf dieses Zeugnis neoklassizistischer Bauweise eröffnen.

Weiter Weg bis zum Ziel

Aber bis dahin ist noch ein weiter Weg zurück zu legen, den alle zusammen Schritt für Schritt gehen wollen. "Bei der Ausschreibung handwerklicher Leistungen erhoffen wir uns Preise, die am unteren Rand liegen", sagt Achenbach. Dann sollen neue Einrichtungen für die Bühnentechnik eingebaut werden, zum Beispiel ein Lichtgitter über der Bühne. Die Bühne selbst soll etwas höher gesetzt, der Blick von den fallenden Stuhlreihen verbessert werden. Die Wände erstrahlen in frischem Blau und Rot.

Obwohl sich alles so viel schwieriger anlässt, als sie ursprünglich erwartet hatten, schauen Brigitte Sheikh und die Khinghanskiys hoffnungsvoll in die Zukunft und planen eine eigene Filmreihe. Wladimir Khinghansky könnte sich Stummfilme mit Klavierbegleitung vorstellen. Die technischen Bedingungen dazu wären ohne große Probleme einzubauen. "Dann würden 20 Jahre nachdem das Kino 1986 seinen Betrieb eingestellt hat, im Central-Theater wieder Filme laufen", sagt Brigitte Sheikh optimistisch.

Quelle: Eßlinger Zeitung 19. Juli 2005