EZ 30.3.2005: Kräftige Farben sorgen in ersten Kinos für Effekte


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ESSLINGEN: Restaurator nimmt Central-Theater unter die Lupe - Sanierung beginnt im Mai

Sechs Wochen vor dem geplanten Auftakt für die Sanierung des Central-Theaters stehen hinter dem Finanzkonzept noch Fragezeichen. Die Eigentümer zeigen sich trotzdem entschlossen, am Fahrplan festzuhalten. "Wir springen ins kalte Wasser", sagt Brigitte Sheikh, die Leiterin des Kulturtreffs.

Von Hermann Dorn

Am 7. Mai fällt der Vorhang am Roßmarkt vorläufig zum letzten Mal. "Wegen Sanierung bis Oktober geschlossen", heißt es dann im ältesten Kino, das in Deutschland erhalten ist. Im Vorfeld haben Experten das Denkmal gründlich unter die Lupe genommen. So legte der Restaurator Hans Cabanis kurz vor Ostern ein Papier vor, das Hinweise für das künftige Farbkonzept liefert. Wichtigste Erkenntnis: "Ursprünglich prägten kräftige Blau- und Rottöne die Wände und die Decke des Central-Theaters. Einzelne Wandflächen wurden durch gemalte Rankenmuster mit Reliefvasen verziert", schreibt Cabanis. Er regt an, den Originalzustand wenigstens teilweise zu rekonstruieren.

Die Studie bestätigt Annahmen, wie sie der Denkmalschützer Julius Fekete bereits vor Jahren in einem Aufsatz über das Central-Theater vertreten hat. Fekete ging davon aus, dass in den Zeiten der Schwarzweißfilme versucht worden ist, farbige Kontraste zu setzen. Während sich die Farben in den Schauspiel- und Opernhäusern auf der Bühne entfalten, mussten solche Effekte in der frühen Phase des Kinos von den Räumen ausgehen.

Ältestes erhaltenes Kino

Cabanis fügt dem Wissen über die herausragende Bedeutung des Central-Theaters einen weiteren Mosaikstein hinzu. Die Geschichte des Gebäudes und Kinos ist gut dokumentiert. 1629 wurde das Gebäude am Roßmarkt 9 als "Herberge zum Hammel" erstmals erwähnt. Bevor die einstigen Stallungen und Scheunen im Jahr 1913 in ein Kino umgebaut wurden, dienten sie ab 1850 vorübergehend als Brennerei und Bierbrauerei für das Gasthaus "Zum Goldenen Lamm".

Die Wertschätzung der Denkmalschützer für das Kino, das seit einigen Jahren als Kulturtreff dient, drückt sich in stattlichen Zuschüssen für die geplante Sanierung aus. Sie steuern aus verschiedenen Töpfen zwei Drittel der Kosten bei, die auf insgesamt 300 000 Euro veranschlagt werden. Die entsprechenden Zusagen verdanken sich dem Umstand, dass das Central-Theater der ersten Phase angehört, in der Kinoarchitektur bewusst gestaltet worden ist. Zeugnisse dieser Kultur sind weitgehend verschwunden. Die wenigen Kinos, um die sich die Denkmalschützer kümmern, stammen aus den 1950er Jahren. In Baden-Württemberg kennen sie nur ein nennenswertes Lichtspielhaus aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Es handelt sich um das 1926 in Mannheim erbaute Capitol.

Erfolg für Denkmalschützer

Die Sanierung krönt den Einsatz der Denkmalschützer für das Esslinger Kleinod. Ihnen ist es zu verdanken, dass das Central nach dem Aus für das letzte Kino am Ende der 80er Jahre nicht in eine Spielhalle umgebaut werden durfte. Nachdem diese Gefahr gebannt war, gelang es den Eigentümern zusammen mit dem Ehepaar Khinganskiy, das einstige Lichtspielhaus zu beleben und als Kulturtreff zu etablieren.

Am Ziel, die für die Sanierung fehlenden 100 000 Euro durch Spenden aufzubringen, müssen Brigitte Sheikh und das Ehepaar Khinganskiy noch arbeiten. Vom Erfolg dieser Bemühungen wollen sie den Einstieg in die Sanierung aber nicht abhängig machen. "Wir fangen im Mai auf jeden Fall an", versichert die Leiterin des Kulturtreffs. Sollten finanzielle Engpässe auftreten, will sie notgedrungen Abstriche am technischen Standard vornehmen.

Die Vorgaben des Denkmalschutzes werden dagegen in vollem Umfang erfüllt. Architekt Joachim Achenbacher hat sie in seinem Konzept konsequent umgesetzt. Es sieht vor, alle Stile zu vereinen, die sich im Central-Theater niedergeschlagen haben - von den neoklassizistischen Stuckornamenten bis zum Kitsch der 50er Jahre. Achenbacher schwebt vor, die historische Entwicklung im Zuschauerraum aufzugreifen. Sie beginnt hinten mit dem Wandornamenten in den Orignalfarben. In den vorderen Sitzreihen verblassen die Töne immer mehr. Einen starken Eingriff wagt der Architekt vorne auf der Bühne: Dort plant er eine moderne Technik.

Quelle: Eßlinger Zeitung vom 30. März 2005