EZ 2.2.2005: Central-Theater soll saniert werden


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Vorhang auf für Geldgeber

ESSLINGEN: Central-Theater soll saniert werden - Noch fehlen zur Finanzierung zirka 100 000 Euro

Das Central-Theater ist Deutschlands ältestes noch erhaltenes Kino und besitzt nicht nur wegen seiner mit Kohle betriebenen Filmprojektoren und den neoklassizistischen Stuckelementen Seltenheitswert. Der Kulturtreff Central-Theater, der das Lichtspieltheater seit fünf Jahren nutzt und sich als Tanztheater einen Namen gemacht hat, möchte die denkmalgeschützten Räume sanieren. Doch die Finanzierung ist noch nicht gesichert.

Von Petra Pauli

Das Gebäude am Roßmarkt 9 hat eine bewegte Vergangenheit: 1629 wird die "Herberge zum Hammel" erstmals erwähnt. In den Stallungen und Scheunen werden um 1850 eine Brennerei und Bierbrauerei für das Gasthaus "Zum Goldenen Lamm" eingerichtet. 1913 schließlich entsteht hier ein Kino, das als Pendant zu den Theaterbühnen aufwändig ausgestattet wird, sogar eine extra Loge für die feinen Herrschaften gibt es.

In den 50er Jahren bekam das Jugendstilkino, in dem noch bis Ende der 80er Jahre Filme zu sehen waren, eine nach hinten ansteigende, kunstlederne Bestuhlung. Das Central-Theater vereint Stile, die eigentlich nicht so recht zusammen passen wollen. Doch die kitschigen Lampen aus den Fünfzigern, die ohne Rücksicht auf die neoklassizistischen, bis vor kurzem übrigens noch von Stoff bedeckten Stuckornamente an der Wand hängen, sollen auch nach der Restaurierung bleiben. Beide Epochen widerzuspiegeln, das sieht Architekt Joachim Achenbacher als eine wichtige Leitlinie für die Sanierung an, und das nicht nur, weil ihm der Denkmalschutz ohnehin enge Grenzen für eine Veränderung setzt. Dem Stuttgarter Architekten, der zuletzt das Schlösschen in Weil restauriert hat, schwebt vor, dass der Zuschauerraum von hinten nach vorne die historische Entwicklung dokumentiert: angefangen von der Loge über die Wandornamente, die in den Originalfarben restauriert werden und im Bereich der vorderen Sitzreihen immer mehr verblassen, bis zur völlig modernisierten Bühnen- und Belüftungstechnik.

Erhalten bleiben auch die vielen Raritäten, die das Central-Theater zu bieten hat, etwa der neubarocke, noch funktionstüchtige Heizkörper im Kassenraum, die original Leinwand und die mit Kohlestiften betriebenen Lichtprojektoren. 300 000 Euro veranschlagt Achenbacher für die dringend notwendige Sanierung - mindestens. 200 000 sind durch Zusagen von Stiftungen und Landesdenkmalamt gesichert. Doch woher der Kulturtreff Central-Theater, der in diesem Jahr erstmals 5000 Euro Dauerförderung von der Stadt bekommt und sich ansonsten ausschließlich mit Spenden und Eintrittsgeldern mehr schlecht als recht über Wasser hält, den Rest nehmen soll, ist noch unklar.

Vorerst letzte Vorstellung im Mai

Brigitte Sheikh, Leiterin des Kulturtreffs, und die künstlerisch Verantwortlichen, Wladimir Khinganskiy und seine Frau Svetlana, gehen bei ihrer Suche nach Sponsoren jetzt an die Öffentlichkeit. Sie hoffen vor allem darauf, dass Firmen auf den Zug aufspringen und sie mit einer größeren Summe unterstützen. Aber auch kleine Beträge sind hochwillkommen. Sheikh kann sich beispielsweise vorstellen, dass man für wenig Geld eine Patenschaft für einen der rund 100 Kinoklappstühle erwerben kann. Am 7. Mai fällt bis auf weiteres der Vorhang, bis Oktober soll die Generalüberholung über die Bühne sein. "Wir sind optimistisch, dass wir das Geld noch zusammenbekommen", hat Khinganskiy keinen Zweifel an dem Projekt.

Quelle: Esslinger Zeitung, 1.2.2005