EZ 12.7.2004: Central-Theater ist nun "Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung"


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Kleinod soll seine alten Reize wieder zeigen

ESSLINGEN: Central-Theater ist nun "Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung" - Umfassende Restaurierung geplant

Von Alexander Maier

Dass die Esslinger mit dem Central-Theater ein einzigartiges Schmuckstück besitzen, hat sich längst in der Stadt herumgesprochen. Nun trägt auch der Denkmalschutz dieser Erkenntnis Rechnung: Das Regierungspräsidium hat das historische Gebäude Roßmarkt 9 als "Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung" ins Denkmalbuch eingetragen. Und das soll nicht nur ein formaler Akt bleiben: Die Eigentümer haben sich mit dem Landesdenkmalamt auf eine Restaurierung verständigt, die rund 280 000 Euro kosten und nicht nur dem Erhalt des Gebäudes dienen, sondern auch dessen kulturhistorische Reize besser herausarbeiten soll.

Ältestes erhaltenes Kino im Land

Dass das Gebäude nun als "Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung" gilt, ist für Regierungspräsident Udo Andriof nahe liegend: "Damit wird ein einzigartiges Kleinod unter besonderen Schutz gestellt. An seiner Erhaltung besteht sowohl aus kulturellen als auch aus architekturgeschichtlichen Gründen großes öffentliches Interesse." Das prägnante Gebäude wurde bereits im Jahre 1629 als "Herberge zum Hammel" urkundlich erwähnt, seit 1737 trug es den Namen "Goldenes Lamm".

Sein heutiges Erscheinungsbild verdankt das Haus einem Umbau im Jahre 1913. Unter Federführung des Architekten Karl Junge wurde in die Ökonomieräume im Südflügel ein Kino eingebaut, auch die Gastwirtschaft im Nordflügel wurde unter Beibehaltung des barocken Portals neu gestaltet. Sowohl die Gebäudefassade als auch der Zuschauerraum des Kinos, das mittlerweile als ältestes erhaltenes Filmtheater im Lande gilt, sind durch charakteristische Formen des Neoklassizismus geprägt. "Insgesamt dokumentiert das Central-Theater - einschließlich des dazugehörigen Gasthauses als baulichem Kern und funktionalem Bestandteil - bedeutende Entwicklungsstufen sowohl der Kinoarchitektur als auch der Filmprojektionstechnik", begründet das Regierungspräsidium den besonderen Schutz des Gebäudes. "Da es nahezu original erhalten ist und einschließlich der funktionierenden Filmprojektionstechnik zumindest in Baden-Württemberg hohen Seltenheitswert besitzt, besteht an seiner Erhaltung ein besonderes öffentliches Interesse."

Die Eigentümer des Gebäudes mögen es mit dem Eintrag ins Denkmalbuch jedoch nicht bewenden lassen. Gemeinsam mit den Denkmalschützern haben sie sich bereits auf eine umfassende Restaurierung des Central-Theaters verständigt, die etwa 280 000 Euro kosten soll. "Wir sind mit dem Landesdenkmalamt einig: Wenn wir das in Angriff nehmen, dann richtig, damit der Bestand für die nächsten 30 Jahre gesichert ist", erklärt Brigitte Sheikh, die der Eigentümergemeinschaft angehört und mit Svetlana Khinganskaia und Wladimir Khinganskiy das Central-Theater vor fünf Jahren übernahm.

Zu tun gibt es allerhand: So braucht das "CT" dringend eine angemessene Belüftung, das historische Gestühl muss wieder aufgearbeitet werden, und auch an der Elektrik müssen die Handwerker ran. Vor allem aber soll die geplante Restaurierung mit Blick auf den Originalzustand von 1913 die kulturhistorischen Reize des Central-Theaters wieder herausarbeiten: Die Wandbespannung soll verschwinden und so die Akustik verbessern und vor allem den Blick auf die alten Stuckornamente mit ihren ionischen Pilastern und den antikisierenden Blumenvasen freigeben. Ein neuer Bodenbelag wird ebenfalls verlegt, und auch im Sockelbereich besteht Restaurierungsbedarf. "Wie viel wir genau tun müssen, wird sich erst zeigen, wenn die Verkleidungen entfernt sind", gibt Brigitte Sheikh zu bedenken. "Gegen unliebsame Überraschungen ist man bei solchen Restaurierungsaktionen nie gefeit."

Hoffen auf edle Spender

Natürlich hoffen Brigitte Sheikh und ihre Mitstreiter, von allzu unerfreulichen (und damit kostspieligen) Überraschungen so weit wie möglich verschont zu bleiben. Das Landesdenkmalamt hat bereits signalisiert, dass sich die Behörde zumindest an den denkmalbedingten Kosten beteiligen würde - trotz alledem bleibt jedoch in jedem Fall ein stattlicher Betrag an den Eigentümern und an den Machern des Central-Theaters hängen. Deshalb wird nun auch eine Spendenkation gestartet, die möglichst viel Geld einbringen muss, weil das "CT"-Team mit seinem ambitionierten Programm selbst ohne Restaurierung stets mit spitzer Feder kalkulieren muss. Kommt in den nächsten Wochen und Monaten genügend Geld zusammen, soll die Restaurierung im Mai oder Juni 2005 beginnen und vermutlich bis Oktober dauern. Während dieser Zeit muss das Theater geschlossen werden - die Hausproduktionen sollen jedoch an anderer Stelle zu sehen sein.

Quelle: Esslinger Zeitung vom 8.7.2004